Urheberrecht

Ich bit­te um Be­ach­tung: Wer sich an die­sen Bei­trä­gen be­dient, um sie – ob ori­gi­nal oder in ab­ge­wan­del­ter Form – als ei­ge­ne Er­kennt­nis­se wei­ter zu ver­wen­den, han­delt nicht nur un­fair, son­dern er be­geht ei­nen Verstoß/Verstöße ge­gen das Urheberrecht.

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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil I

A

Aus­zug der ost­preu­ßi­schen Land­wehr nach der Ein­seg­nung in ei­ner Kir­che in Kö­nigs­berg 1813

Wir se­hen hier ein Ge­mäl­de des deut­schen Ma­lers Gus­tav Graf (∗ 14. De­zem­ber 1821 in Kö­nigs­berg; † 6. Ja­nu­ar 1895 in Ber­lin) aus dem Jah­re 1860 mit dem Ti­tel »Aus­zug der ost­preu­ßi­schen Land­wehr nach der Ein­seg­nung in ei­ner Kir­che in Kö­nigs­berg 1813«.

Hin­ter die­sem Mo­tiv ver­birgt sich ei­ne au­ßer­or­dent­lich in­ter­es­san­te Ge­schich­te, mit der wir uns hier be­schäf­ti­gen wol­len. Da­bei wä­re auch zu un­ter­su­chen, wel­chen Be­zug wir zum The­ma fin­den können.

Zu­nächst je­doch zum Bild selbst.

Wir se­hen Of­fi­zie­re und Land­wehr­män­ner un­ter dem Ju­bel der Bür­ger Kö­nigs­bergs aus der Kir­che schrei­ten, in der sie ge­ra­de für den Kampf ein­ge­seg­net wur­den, be­vor sie ins Feld zie­hen. Da die Män­ner aus ei­ner Kir­che kom­men, kön­nen wir da­von aus­ge­hen, dass es sich um Chris­ten han­delt, die so­eben durch ei­nen Pfar­rer ein­ge­schwo­ren wur­den. Auf dem Vor­platz und in den um­lie­gen­den Häu­sern ju­beln die Men­schen den Land­wehr­män­nern zu und tei­len so die da­ma­li­ge of­fen­sicht­li­che pa­trio­ti­sche Eu­pho­rie, die im Früh­jahr 1813 in Preu­ßen über­wie­gend herrsch­te. Wei­ter­le­sen

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Emanzipation der Juden in Preußen . .…. und Clausewitz? Teil II

Nach der un­glück­li­chen Kam­pa­gne Preu­ßens 1806 und der dar­auf fol­gen­den Ge­fan­gen­schaft in Frank­reich, die Clau­se­witz zu­sam­men mit dem Prin­zen Au­gust von Preu­ßen als des­sen Ad­ju­tant an­trat, be­gann ein sehr be­deu­ten­der Le­bens­ab­schnitt für ihn. Die Jah­re 1807 bis 1812 hat­ten we­sent­li­chen Ein­fluss auf die Ent­wick­lung des da­ma­li­gen 27jährigen (*1780) Of­fi­ziers. Die­se fünf Jah­re wa­ren ge­kenn­zeich­net durch ge­wal­ti­ge Um­wäl­zun­gen in Preu­ßen, die Clau­se­witz dann ab 1808 bei den füh­ren­den Män­nern der Re­for­men in Preu­ßen sa­hen. Stein, Har­den­berg, Scharn­horst, Gnei­sen­au, Boy­en und Grol­man ga­ben Clau­se­witz die Mög­lich­keit, fe­der­füh­rend am Re­form­werk mit­zu­ar­bei­ten. Hier wirk­te sich be­reits sein Ver­ständ­nis der his­to­ri­schen Dia­lek­tik He­gels aus, das ihn spä­ter in sei­nem Haupt­werk »Vom Krie­ge« zur Dar­stel­lung des Ver­hält­nis­ses von Po­li­tik und Krieg führ­te. An der Kriegs­aka­de­mie als Schü­ler Kie­se­wet­ters (* 04.11.1766 Ber­lin, † 09.07.1819 Ber­lin) von Kant ge­hört, ist ei­ne per­sön­li­che Be­zie­hung Clausewitz´zu He­gel nicht ge­klärt. Gleich­wohl er­ken­nen wir He­gels Dia­lek­tik in der Fra­ge »Was ist der Krieg?« 

»(…) Wir den­ken die ein­zel­nen Ele­men­te un­se­res Ge­gen­stan­des, dann die ein­zel­nen Tei­le oder Glie­der des­sel­ben und zu­letzt das Gan­ze in sei­nem in­ne­ren Zu­sam­men­hang zu be­trach­ten, al­so vom Ein­fa­chen zum Zu­sam­men­ge­setz­ten fort­zu­schrei­ten. (…)« ( Clau­se­witz – Vom Krie­ge, Ers­tes Ka­pi­tel 1. Ein­lei­tung, Ver­lag MfNV Ber­lin 1957, S. 17)

Ge­org Wil­helm Fried­rich He­gel (* 27. Au­gust 1770 in Stutt­gart; † 14. No­vem­ber 1831 in Ber­lin) Quel­le Wikipedia

Die­ser ra­tio­nal den­ken­de Clau­se­witz, der in der Blü­te­zeit deut­schen Geis­tes leb­te und wirk­te, war ein lei­ser Be­ob­ach­ter, der of­fen­sicht­lich nach al­len Sei­ten of­fen war. Da­von zeugt der viel­fäl­ti­ge Brief­ver­kehr zwi­schen der Braut und spä­te­ren Ehe­frau Ma­rie geb. Grä­fin von Brühl (* 3. Ju­ni 1779 als Grä­fin Ma­rie So­phie von Brühl in War­schau; † 28. Ja­nu­ar 1836) so­wie mit sei­nen en­gen Ver­trau­ten Scharn­horst und Gnei­sen­au. Vom Men­schen Clau­se­witz zeugt auch ei­ne wohl ein­zig­ar­ti­ge Cha­rak­te­ris­tik, ge­ge­ben von Ge­ne­ral Graf v. d. Gro­eben (1788 bis 1876) . Die­ser be­geg­ne­te Clau­se­witz 1810 an der Kriegs­schu­le zu Ber­lin, kämpf­te mit ihm in der »Rus­sisch-Deut­schen Le­gi­on« und war 1815 1. Ge­ne­ral­stabs­of­fi­zier in Ko­blenz und so­mit ein en­ger Ge­fähr­te desselben.
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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil III

Das da­ma­li­ge preu­ßi­sche Of­fi­zier­korps, dem der Va­ter Clau­se­witz und Carl Phil­lip so­wie zwei sei­ner Brü­der dann selbst an­ge­hör­ten, un­ter­lag zwei­fels­oh­ne dem »Es­prit de Corps«. Un­ab­hän­gig von ei­ge­nen Stel­len­wer­tes in der Hier­ar­chie ver­stan­den sich die­se Of­fi­zie­re als »Män­ner von Eh­re«. Die Ge­burt un­se­res Carls in der Fa­mi­lie ei­nes in­va­li­den Of­fi­ziers Fried­rich des II., der im nied­rigs­ten Be­am­ten­stand des kö­nig­li­chen Ac­cise-We­sens sei­nen Le­bens­un­ter­halt ver­die­nen musste:

»〈…〉 Sein Jah­res­ge­halt be­trug an­fäng­lich 180 Ta­ler, spä­ter 225 bis 300 Ta­ler. Ab 1793 ver­füg­te Fried­rich Ga­bri­el über ei­ne Gna­den­pen­si­on 〈…〉« (Vergl. E. Kes­sel – Carl von Clau­se­witz – Her­kunft und Per­sön­lich­keit, in Wis­sen und Wehr, Heft 18, Mitt­ler Ber­lin 1937) 

be­ein­träch­tig­te mit Si­cher­heit  das Avan­ce­ment des jun­gen Clau­se­witz und sei­ner Brüder. 

Gleich­wohl ge­hör­te die Fa­mi­lie dem pri­vi­le­gier­ten Stand im Staa­te Preu­ßen an, auch wenn der Adel der Clau­se­witz´ zwei­fel­haft war und erst am 3. Ja­nu­ar 1827 durch F. W. III. mit KO (Ka­bi­nets-Or­der) be­stä­tigt wur­de. Va­ter Clau­se­witz war durch­aus be­müht, sei­nen Söh­nen den »Es­prit de Corps« zu ver­mit­teln. Da­von zeugt ein Brief an Ma­rie vom 13. De­zem­ber 1806, wor­in er of­fen­sicht­lich stolz schrieb: 

»〈…〉 Wir drei jüngs­ten Brü­der sa­hen uns al­so als Edel­leu­te in der Ar­mee an­ge­stellt, und zwar mein drit­ter Bru­der nebst mir in ei­nem Re­gi­men­te (Prinz Fer­di­nand), in wel­chem nur Edel­leu­te die­nen konnten 〈…〉«. 

Wenn­gleich im sel­ben Brief und Ab­satz die Be­sorg­nis an­klang, dass da Zwei­fel hät­ten ent­ste­hen können.

»〈…〉 Da wir nun Ver­wand­te hat­ten, die nicht Edel­leu­te zu sein schie­nen, so muß­te das na­tür­lich Be­sorg­nis er­we­cken, daß, wenn man hier und da zu­fäl­lig auf dies Ver­hält­nis stie­ße, man uns für Usur­pa­to­ren hal­ten könn­te 〈…〉« (Vergl. »Carl und Ma­rie von Clau­se­witz – Brie­fe – Ein Le­ben im Kampf für Frei­heit und Reich«, Hg. Ot­to Heu­sche­le, s. 57)

Wir un­ter­su­chen hier be­wusst die­se Stan­des­fra­gen, die wo­mög­lich Ein­fluss auf die Sicht zu Re­li­gi­ons­fra­gen des Of­fi­ziers und spä­te­ren Ge­ne­rals Carl von Clau­se­witz ge­habt ha­ben könn­ten. Denn die Zeit, die wir hier im Blick ha­ben, war ge­prägt durch ei­ne über fast ein Jahr­hun­dert wäh­ren­de Aus­ein­an­der­set­zung zu theo­lo­gi­schen Fra­gen, das Exis­tenz­recht der Ju­den in Eu­ro­pa betreffend.

(Ehe­ma­li­ge Syn­ago­ge in Burg aus den Jah­ren 1851 bis 1852 – Quel­le: tu​rist​info​-burg​.de) Wei­ter­le­sen

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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil IV

Die Zeit des Be­su­ches der Kriegs­schu­le bis hin zum Er­leb­nis der Nie­der­la­ge im Krieg von 1806 war ge­prägt durch um­fang­rei­che Stu­di­en ver­schie­de­ner Be­rei­che der Ge­schichts­li­te­ra­tur, Kriegs­ge­schich­te und Phi­lo­so­phie so­wie Fra­gen der Kul­tur. »〈…〉 In sei­nen frü­hen Schrif­ten fin­den sich Hin­wei­se auf Au­toren wie Ma­chia­vel­li, Mon­tai­g­ne, Mon­tes­quieu, Ro­bert­son, Jo­han­nes von Mül­ler und Gentz 〈…〉« (Vergl. Pe­ter Pa­ret »Clau­se­witz und der Staat« Düm­ler 1993, S. 109) 

Er­staun­li­cher­wei­se er­schei­nen in die­ser Auf­zäh­lung die Na­men von Vol­taire, Jean-Jac­ques Rous­se­au, Sta­nis­las de Cler­mont-Ton­ner­re oder Paul Hen­ri Thiry d´Holbach nicht. Denn die­se Ver­tre­ter der Auf­klä­rung hat­ten sich mit den Fra­gen des Ju­den­tums in Eu­ro­pa be­schäf­tigt. Das mag dem noch re­la­tiv jun­gen Al­ter Clau­se­witz´ zu­ge­rech­net wer­den. Ge­wis­ser­ma­ßen ent­schul­di­gend führt Pe­ter Pa­ret in die­sem Zu­sam­men­hang an:  »〈…〉 Von 1803 bis zur Kri­se der Jah­re 1805 und 1806 zieht sich durch Clausewitz´politische Be­trach­tun­gen ei­ne gleich­blei­ben­de In­ter­pre­ta­ti­on der Si­tua­ti­on Eu­ro­pas (…) Doch wenn Clau­se­witz ver­such­te, sei­ne Ideen auf das zen­tra­le Pro­blem zu über­tra­gen, zeig­te er sich un­fä­hig, die Schwie­rig­kei­ten zu lö­sen, die der Ent­wick­lung ei­ner wirk­sa­men Po­li­tik im We­ge stan­den 〈…〉« (Vergl. Pe­ter Pa­ret »Clau­se­witz und der Staat« Düm­ler 1993, S. 107)  Wei­ter­le­sen

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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil V

Zur öko­no­misch be­grün­de­ten Judenfeindschaft

Seit dem Mit­tel­al­ter leb­ten die Ju­den in Eu­ro­pa und so­mit auch in Preu­ßen in ei­ner auf­ok­troy­ier­ten Be­rufs­struk­tur, die sie aus hand­werk­li­chen Zünf­ten aus­schloss, ih­nen Grund­be­sitz ver­wehr­te und den Zu­gang zum Mi­li­tär und Staats­dienst aus­schloss. Wei­ter oben wur­de das schon er­wähnt. Das be­wuss­te Hin­ein­drän­gen in Fel­der des Fi­nanz­sys­tems, in Han­del und Geld­ver­leih (sie­he Hirsch) führ­te zu ei­ner wei­te­ren Ab­son­de­rung der Ju­den vom üb­ri­gen Volk der Län­der. Dar­an än­der­te auch das oben er­wähn­te »Ge­ne­ral-Re­gle­ment« F. II. so gut wie nichts. Le­dig­lich die Vor­tei­le wuss­te der Peu­ßen­kö­nig für sich zur Fi­nan­zie­rung sei­nes sie­ben­jäh­ri­gen Krie­ges und zum Pa­lais-Bau in Ber­lin zu nutzen.

»〈…〉 ein Ka­pi­tel aus ei­nem sei­ner­zeit po­pu­lä­ren his­to­ri­schen Ro­man der Schrift­stel­le­rin Loui­se Mühl­bach (ei­gentl. Cla­ra Mundt, 1814 bis 1873), Fried­rich der Gro­ße und sein Hof; es heißt „Der Kron­prinz und der Ju­de“ und schil­dert ei­ne Au­di­enz Vei­tel Hei­ne Ephraims bei Kron­prinz Fried­rich in Rheins­berg. Die li­te­ra­ri­sche Ge­stal­tung die­ser Sze­ne durch die Au­torin Mühl­bach zeigt ei­nen Ju­den, der ab­hän­gig ist von den Lau­nen des Kron­prin­zen, der aber auch selbst­be­wußt auf­zu­tre­ten und sein Recht ein­zu­for­dern weiß. Auf der an­de­ren Sei­te steht ein stol­zer, aber schließ­lich doch ein­sich­ti­ger Kron­prinz: Wenn er kann, steht er zu sei­nen Ver­pflich­tun­gen. Die Au­torin ver­sucht, das un­gleich­ge­wich­ti­ge Ver­hält­nis der bei­den fik­tio­nal zu ge­stal­ten. Die Sze­ne ist frei er­fun­den, ba­siert aber auf his­to­ri­schem Quel­len­stu­di­um der Schrift­stel­le­rin: so könn­te ei­ne Be­geg­nung der bei­den ab­ge­lau­fen sein 〈…〉« (Vergl. Gom­perz, Ephraim, It­zig – Er­folg und Be­drü­ckung der „Hof­ju­den“ Fried­richs II. Vor­trag, Tho­mas Bre­chen­ba­cher, ephraim​-vei​tel​-stif​tung​.de)

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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil VI

Zur »ras­sis­tisch mo­ti­vier­ten Judenfeindschaft«.

Wir ha­ben im Teil I un­se­rer Be­trach­tung er­wähnt »〈…〉 Das Ban­ner »Li­ber­té, Ega­li­té, Fra­ter­ni­té« wirk­te auch in Preu­ßen auf das Be­wusst­sein, für glei­che Rech­te und Pflich­ten al­ler Bür­ger des Lan­des einzutreten. 〈…〉«

In Preu­ßen wirk­te die­ser Im­puls in viel­fäl­ti­ger Wei­se in fast al­len Schich­ten der da­ma­li­gen Be­völ­ke­rung. So­mit auch in der jü­di­schen Ge­mein­schaft des Lan­des. Be­son­ders in Ber­lin ent­wi­ckel­te sich ei­ne in­tel­lek­tu­el­le Ba­sis, die ge­prägt war vom frü­he­ren Wir­ken Mo­ses Men­del­sons (1729 bis 1786) und Gott­hold Ephraim Les­sings  (*1729 † 1781). Les­sings Schau­spiel »Na­than der Wei­se« von 1783 war, wie er sel­ber for­mu­lier­te, »〈…〉 das Re­sul­tat ei­ner sehr ernst­haf­ten Be­trach­tung über die schimpf­li­che Un­ter­drü­ckung, in wel­cher ein Volk seuf­zen muß, das ein Christ, soll­te ich mei­nen, nicht oh­ne ei­ne Art von Ehr­er­bie­tung be­trach­ten kann. 〈…〉« (Les­sing, Gott­hold Ephraim – Wer­ke und Brie­fe, 12 Bän­de, Hg W. Bar­ner, Frank­furt am Main, Bd. 1, S. 1152)

(Les­sing und Jo­hann Cas­par La­va­ter zu Gast bei Mo­ses Men­delsohn, Ge­mäl­de von M. D. Op­pen­heim – Quelle:Wikipedia)

Der preu­ßi­sche Staats­rat Chris­ti­an Wil­helm von Dohm (*1751 † 1820) ein Freund Men­delsohns griff die Be­mü­hun­gen der jü­di­schen Be­we­gung der »Haska­la« (mit Hil­fe des Ver­stan­des auf­klä­ren) auf , und trat für die gleich­be­rech­tig­te Stel­lung der Ju­den in Preu­ßen ein. 1781 er­schien sein Buch »Über die bür­ger­li­che Ver­bes­se­rung der Ju­den«. » 〈…〉Ähn­lich wie schon Les­sing vor ihm er­klär­te er die elen­de so­zia­le La­ge der Ju­den nicht aus ir­gend­wel­chen na­tür­li­chen An­la­gen oder re­li­giö­sen Ge­bräu­chen, son­dern viel­mehr aus der jahr­hun­der­te­lan­gen Un­ter­drü­ckung durch die christ­li­che Um­welt. 〈…〉« (Vergl. Der Deut­sche Weg der Ju­den­eman­zi­pa­ti­on 1789–1938, Wal­ter Grab, Piper/Zürich, S .13) Wei­ter­le­sen

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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil VII

Die Christ­lich-Deut­sche Tisch­ge­sell­schaft – Die frü­he Form ei­ner in­tel­lek­tu­ell-po­li­tisch ver­bräm­ten Ver­ei­ni­gung mit ju­den­feind­li­chen Farbschattierungen.

Über den Jah­res­wech­sel 1809 zu 1810 kehr­te der Preu­ßi­sche Hof wie­der nach Ber­lin zu­rück. Mit im Ge­fol­ge Ca­pi­tai­ne und Bü­ro­chef Scharnhorst´s, Carl von Clau­se­witz. Die Chan­cen für sein mi­li­tä­ri­sches Avan­ce­ment wa­ren aus­sichts­reich, und so­mit stand auch der Ver­bin­dung mit Ma­rie nichts mehr im We­ge. Die Grä­fin Brühl – Mut­ter war dem Clau­se­witz nicht zu­ge­neigt, hat­te mit vom Stein an­de­re Plä­ne für Toch­ter Ma­rie ver­folgt. Clau­se­witz war nun­mehr auch durch die Ver­bin­dung mit dem Hau­se Brühl in Ber­lin nicht mehr un­be­kannt und ge­wann an Bedeutung.

Clau­se­witz kehr­te in ein Ber­lin zu­rück, das zu­neh­mend von ei­ner deut­lich spür­ba­ren Ro­man­tik, auf den Flü­geln Schlei­er­ma­chers, durch E.T.A Hoff­mann, Jo­seph von Ei­chen­dorff, Lud­wig Tieck, Bet­ti­na von Ar­nim, die Ge­brü­der Grimm, No­va­lis (ei­gent­lich Ge­org Phil­ipp Fried­rich von Har­den­berg) , Cle­mens Bren­ta­no u. a., ge­prägt war. Das in­tel­lek­tu­el­le Le­ben Ber­lins hat­te sich um die Jahr­hun­dert­wen­de bis zum Jahr 1806 in Sa­lons jü­di­scher Frau­en, wie Hen­ri­et­te Herz, Ra­hel Varn­ha­gen und Do­ro­thea Schle­gel eta­bliert, die zu Eman­zi­pa­ti­ons­or­ten ge­wor­den waren.

Ra­hel Varn­ha­gen von En­se, geb. Le­vin (ge­bo­ren am 19. Mai 1771 in Ber­lin; ge­stor­ben am 7. März 1833) Quel­le: Wi­ki­pe­dia

Der­ar­ti­ge Sa­lons wur­den in die­ser Zeit Treff­punkt der Eli­ten, des Adels, des Mi­li­tärs, der Wis­sen­schaft, der Dich­ter, der Mu­si­ker und Ma­ler. Auch nach 1806, al­so im Jahr 1810, gab es Treff­punk­te die­ser Art in ähn­li­cher Form. Wei­ter­le­sen

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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil VIII

Hein­rich von Kleist, Dich­ter und ge­we­se­ner Lieu­ten­ant der preu­ßi­schen Ar­mee, schreibt:

»〈…〉 Die Je­nen­si­sche An­fein­dung wür­de be­lang­los sein, wä­re sie nicht ei­ne Be­gleit- oder Fol­ge­er­schei­nung von Vor­gän­gen, die im Som­mer 1811 in Ber­lin sich ab­spiel­ten und al­le Welt ei­ne Zeit­lang un­ter­hiel­ten. Es han­delt sich um den tät­li­chen Über­fall Mo­ritz It­zigs auf Ar­nim. 〈…〉«  (Vergl. Hein­rich von Kleists Kämp­fe, Rein­hold Steig, Ver­lag von W. Spe­mann 1901, S. 632)

»〈…〉 It­zig und Ar­nim sind bei­de ge­blie­ben – je­ner bei Lüt­zen, die­ser hin­ter dem Ofen 〈…〉« ( Vergl. Hil­de Spiel »Fan­ny von Arn­stein oder die Eman­zi­pa­ti­on« F. a. M. 1962 S. 404)

Die­se Kurz­fas­sung ei­nes Spott-Ge­dich­tes auf Achim von Ar­nim, ver­fasst durch das li­be­ra­le Mit­glied der Tisch­ge­sell­schaft Fried­rich Au­gust von Sta­e­ge­mann (*1763 †1840), zeugt von der Dis­so­nanz zwi­schen den ein­zel­nen Män­nern die­ser Un­ter­neh­mung. Ei­ne pro­gram­ma­tisch ge­woll­te Ju­den­feind­schaft in­ner­halb die­ser Ge­sell­schaft, so wie sie Achim von Ar­nim, Bren­ta­no, Beuth und an­de­re dar­stell­ten, wur­de nicht durch al­le Mit­glie­der geteilt.

Die Ge­schich­te da­hin­ter ist kurz zu­sam­men­ge­fasst erzählt.

Ar­nim er­schien im Mai 1811 oh­ne per­sön­li­che Ein­la­dung im Sa­lon der deutsch-jü­di­schen Sa­ra Le­vi, ei­ner ge­bo­re­nen It­zig. Dort pfleg­te man ei­ne of­fe­ne li­be­ra­le At­mo­sphä­re. Der un­ge­be­te­ne Gast er­schien in »Pum­p­ho­sen«, ei­ne Art Tur­ner­an­zug, wie er auf dem Turn­platz bei Jahn ge­tra­gen wur­de und be­nahm sich nicht stan­des­ge­mäß. Ar­nim pro­vo­zier­te die Gast­ge­be­rin und de­ren Gäs­te. Die Si­tua­ti­on spitz­te sich zu, als der Nef­fe Sa­ra Le­vys sich be­mü­ßigt sah, Ar­nim zu ta­deln. Nef­fe Mo­ritz It­zig, Nach­kom­me ei­ner in zwei­ter Ge­nera­ti­on in Preu­ßen na­tu­ra­li­sier­ten Ge­nera­ti­on ei­ner jü­di­schen Fa­mi­lie, be­trach­te­te sich dem »von Ar­nim« durch­aus eben­bür­tig. Wei­ter­le­sen

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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil IX

Das Preu­ßi­sche Of­fi­ziers­korps am An­fang des 19. Jahr­hun­derts war mehr­heit­lich noch ge­prägt von der fri­de­ri­zia­ni­schen Zeit. Dass sich die­ser Stand mit den re­vo­lu­tio­nä­ren Ver­än­de­run­gen im Staats­we­sen Preu­ßens mehr als schwer tat, liegt in der Lo­gik der Dinge.

Die Fol­gen des Ok­to­ber­edikts von 1807 grif­fen sub­stan­ti­ell in das Adels­ge­fü­ge Preu­ßens ein, da sich die tra­di­tio­nel­le Stan­des­wirt­schaft mas­siv zu ver­schie­ben droh­te. Die Ge­stat­tung des frei­en Han­dels mit Grund­be­sitz, die Auf­he­bung der Leib­ei­gen­schaft der Bau­ern und der Pa­tri­mo­ni­al­hier­ar­chie, rüt­tel­ten an den Grund­pfei­lern der ad­li­gen Ge­sell­schaft die­ser Zeit. Das auf­stre­ben­de Bür­ger­tum er­öff­ne­te sich mit Fleiß, Ord­nung und Spar­sam­keit die Mög­lich­keit, in die Pha­lanx des al­ten Adels ein­zu­bre­chen. Der Grund­be­sitz war nicht mehr das ent­schei­den­de Kri­te­ri­um der Macht, son­dern der Be­sitz frei ver­füg­ba­rer Geldmittel.

Ei­ne be­son­de­re Be­dro­hung sah der Adel im Auf­tau­chen jü­di­scher Kauf­leu­te in ih­ren an­ge­stamm­ten »Jagd­re­vie­ren«, wie wir wei­ter oben bei Achim von Ar­nim be­ob­ach­ten konn­ten. Es lag in der Na­tur der Din­ge, dass der Adel ver­such­te, sich vom Bür­ger­tum all­ge­mein und vom Ju­den­tum be­son­ders ab­zu­set­zen. F. W. III. spür­te wohl die­se Ma­lai­se und ver­such­te, sein ei­ge­nes Edikt zu re­la­ti­vie­ren und durch For­mu­lie­run­gen in sei­ner ihm ei­ge­nen Spra­che ab­zu­schwä­chen »〈…〉 nie­mand sei­ne Eh­re ge­kränkt hal­ten kann 〈…〉« (Vergl. Ka­bi­netts­or­der 〈KO〉 vom 3. Sep­tem­ber 1807, nach Zun­kel, Fried­rich: Eh­re , Hg. Brun­ner & Ot­to Bd. 2 S. 37) 

Schlag­wor­te wie »rit­ter­li­che, hö­fi­sche, ade­li­ge Eh­re« be­gan­nen an Be­deu­tung zu ver­lie­ren. Die Rol­le des Adels als tra­gen­de Säu­le des Staa­tes war in Ge­fahr, wie Fried­rich Au­gust von der Mar­witz – wir konn­ten das wei­ter oben be­ob­ach­ten – wahr­schein­lich fürch­te­te. Im Fahr­was­ser die­ser ge­sell­schaft­li­chen Er­schei­nun­gen ha­ben ju­den­feind­li­che Äu­ße­run­gen aus dem Krei­se der da­ma­li­gen Of­fi­zie­re der un­ter­schied­lichs­ten Rang­ebe­nen durch­aus Ge­mein­sam­kei­ten. Die Mo­ti­ve je­des Ein­zel­nen wa­ren in córpore zu betrachten.
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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil X

Wir schrei­ben das Jahr 1812. Carl von Clau­se­witz hat­te im März den Ent­schluss ge­fasst, die preu­ßi­sche Ar­mee zu ver­las­sen und in rus­si­sche Diens­te zu tre­ten. Ei­ni­ge Wo­chen vor die­sem mu­ti­gen Schritt hat­te er sei­ne »Be­kennt­nis­schrift«, wir ver­wie­sen be­reits dar­auf, ver­fasst und ab­ge­legt. Bei­des, der Über­tritt in die rus­si­schen Streit­kräf­te und die Schrift wa­ren ei­ne deut­li­che Kampf­an­sa­ge an die »fran­zö­si­sche Par­tei« am preu­ßi­schen Hof.

Die­se Ent­schei­dung war in­so­fern von gro­ßer Be­deu­tung, weil Clau­se­witz in Ge­fahr lief, ge­gen preu­ßi­sche Ka­me­ra­den und wo­mög­lich ge­gen sei­ne bei­den Brü­der kämp­fen zu müs­sen, die ih­rem Kö­nig folg­ten, der mit Na­po­le­on ein Mi­li­tär­bünd­nis ein­ge­gan­gen war. Die­se schwer­wie­gen­de Ge­wis­sens­fra­ge, der sich Clau­se­witz stell­te, be­ur­teil­te Wer­ner Hal­weg so: »〈…〉 Wenn Clau­se­witz sich hier ge­gen die Auf­fas­sung sei­nes Kö­nigs und der preu­ßi­schen Re­gie­rung ent­schied, so ent­sprang dies ge­wiß nicht der Nei­gung zu blo­ßem Po­li­ti­sie­ren. Er be­wies viel­mehr vor­bild­haft durch sein Ver­hal­ten, daß die Ge­hor­sam­s­pflicht des Sol­da­ten ge­gen­über Re­gie­rung und Kö­nig dort ih­re Gren­zen fin­den kann, wo ihr Sinn auf Grund be­son­de­rer Not­stän­de von Staat und Volk in Fra­ge ge­stellt er­scheint – erst Recht, wenn dies im Rah­men ei­ner eben­so sorg­fäl­ti­gen wie kri­ti­schen Prü­fung er­här­tet wird. 〈…〉« (Vergl. Wer­ner Hal­weg »Clau­se­witz Sol­dat-Po­li­ti­ker-Den­ker, Mus­ter­schmidt-Ver­lag, 1969, S. 42 bis 43) Wei­ter­le­sen

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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil XI

Die pa­trio­ti­sche Stim­mung im Jahr 1813 er­fass­te vie­le Ju­den in Preu­ßen, die nun zur Fah­ne eil­ten. Sie dach­ten, dass ih­re Sa­che zum Durch­bruch ge­langt war. Ge­mäß des § 16 des wei­ter oben ge­schil­der­ten »Eman­zi­pa­ti­ons­edikts« heg­te nie­mand mehr Zwei­fel an der Mi­li­tär­pflicht preu­ßi­scher Ju­den. Dar­in hieß es: »〈…〉 Der Mi­li­ta­ir-Kon­scrip­ti­on oder Kan­tons­pflich­tig und den da­mit in Ver­bin­dung ste­hen­den be­son­de­ren ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten sind die ein­län­di­schen Ju­den gleich­falls un­ter­wor­fen. Die Art und Wei­se der An­wen­dung die­ser Ver­pflich­tung auf sie wird durch die Ver­ord­nung we­gen der Mi­li­ta­ir- Kon­scrip­ti­on nä­her be­stimmt wer­den. 〈…〉« (Preu­ßi­sche Ge­setz­samm­lung 1812, S. 17 f. Ernst Ru­dolf Hu­ber, Do­ku­men­te zur deut­schen Ver­fas­sungs­ge­schich­te Band 1, Ver­lag Kohl­ham­mer)

Zu den Frei­wil­li­gen ge­hör­te u. a. auch der Dich­ter Fried­rich Ba­ron de la Mot­te-Fo­qué (* 1777 †1843 ), der sich frei­wil­lig für das Jä­ger­de­tache­ment des Bran­den­bur­gi­schen Kür­as­sier­re­gi­ments mel­de­te. Grund­la­ge da­für bot die »Ver­ord­nung über die Auf­stel­lung frei­wil­li­ger Jä­ger­ver­bän­de« vom 03.02.1813. Wor­in ge­re­gelt war, dass sich die Frei­wil­li­gen selbst klei­den, be­waff­nen und be­rit­ten ma­chen konn­ten. Dar­über hin­aus stell­te F. W. III. den Frei­wil­li­gen ein be­ruf­li­ches Fort­kom­men in Aussicht.

(Fried­rich Ba­ron de la Mot­te-Fo­qué) Quel­le: Wi­ki­pe­dia Wei­ter­le­sen

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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil XII

Die Na­tio­nal­be­we­gung, ge­rich­tet ge­gen die na­po­leo­ni­sche He­ge­mo­ni­al­macht, hat­te wei­te Tei­le Eu­ro­pas, hier vor al­lem Preu­ßen, po­li­tisch, mi­li­tä­risch, öko­no­misch, re­li­gi­ös und na­tür­lich auch geis­tig in ei­ne nie zu­vor ge­se­he­ne Be­we­gung ge­bracht. Der Kampf der Ele­men­te des for­mel­len Fort­schrit­tes, ge­bracht durch die fran­zö­si­sche Re­vo­lu­ti­on, mit den Er­schei­nun­gen des Des­po­tis­mus Na­po­le­ons, schlug sich un­mit­tel­bar in den Be­frei­ungs­krie­gen nie­der. Ei­nes der Ele­men­te die­ser Be­we­gung war die ein­ge­lei­te­te Eman­zi­pa­ti­on der preu­ßi­schen Ju­den, die ein­her ging mit ana­lo­gen Be­mü­hun­gen in na­he­zu al­len deut­schen Teil­staa­ten und Österreich.

Un­se­re Be­mü­hun­gen bis­her wa­ren dar­auf ge­rich­tet, den An­teil Carl von Clau­se­witz´ bzw. sei­ne per­sön­li­che Sicht zu Fra­gen der Ju­den in Preu­ßens dar­zu­stel­len. Wie wir bis­her ge­se­hen ha­ben, bie­tet die Quel­len­la­ge nicht viel, au­ßer die da­mals be­rech­tigt ge­äu­ßer­te Feind­schaft, den Kai­ser der Fran­zo­sen be­tref­fend, und ei­ne Rei­se­schil­de­rung, die über­wie­gend xe­no­phob for­mu­liert war. Für bei­de Fak­ten hat­ten wir ei­ne mög­li­che Er­klä­rung des­sen an­ge­bo­ten, oh­ne For­mu­lie­run­gen in In­halt und Form zu ent­schul­di­gen. Wei­ter­le­sen

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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil XIII

Der 2. Pa­ri­ser Frie­den mit dem De­fi­ni­tiv-Trac­tat, am 20. No­vem­ber 1815 zwi­schen dem Kai­ser von Ös­ter­reich und sei­nen Al­li­ier­ten, dem Za­ren von Russ­land, dem Kö­nig von Preu­ßen und dem Kö­nig von Frank­reich ab­ge­schlos­sen, setz­te den end­gül­ti­gen Schluss­punkt hin­ter die sechs eu­ro­päi­schen Ko­ali­ti­ons­krie­ge von 1792 bis 1815. Mit dem sechs­ten Krieg en­de­ten für Preu­ßen die op­fer­rei­chen Be­frei­ungs­krie­ge von 1813 bis 1815. Da­mit wur­de auch der Schluss­punkt hin­ter dem 1. Pa­ri­ser Frie­den vom 30. Mai 1814 ge­setzt, an dem noch Eng­land be­tei­ligt war. Die Ra­ti­fi­zie­rung des De­fi­ni­tiv-Trac­tats lag den Mon­ar­chen am 16. Fe­bru­ar 1816 vor.

Noch vor dem 2. Pa­ri­ser Frie­den un­ter­zeich­ne­ten Fried­rich Wil­helm III., der ös­ter­rei­chi­sche Kai­ser und der rus­si­sche Zar am 26. Sep­tem­ber 1815 die Grün­dungs­er­klä­rung der »Hei­li­gen Al­li­anz«. Da­mit wur­de für ei­ne län­ge­re Zeit in Mit­tel­eu­ro­pa Frie­den gewährleistet.

Die aus den Krie­gen von 1813/14/15 heim­keh­ren­den jü­di­schen Frei­wil­li­gen und kon­skri­bier­ten jü­di­schen Män­ner Preu­ßens ka­men zu­rück mit der Hoff­nung, dass Kö­nig und Staat Wort hal­ten wür­den. Ver­spro­chen war die Frei­heit des Bür­gers und ei­ne Ver­fas­sung. Der ös­ter­rei­chi­sche Staats­recht­ler Ge­org Jel­li­nek (1851 bis 1911) de­fi­nier­te den Be­griff »Staats­ver­fas­sung« so: »〈…〉 Je­der dau­ern­de Ver­band be­darf ei­ner Ord­nung, der ge­mäß sein Wil­le ge­bil­det und voll­zo­gen, sein Be­reich ab­ge­grenzt, die Stel­lung sei­ner Mit­glie­der in ihm und zu ihm ge­re­gelt wird. Ei­ne der­ar­ti­ge Ord­nung heißt ei­ne Ver­fas­sung. 〈…〉« (Vergl. All­ge­mei­ne Staats­leh­re, G. Jel­li­nek: Erkl. der Men­schen- und Bür­ger­rech­te; der­sel­be: Das Recht der Mi­no­ri­tä­ten 1898 S. 7ff.) Aus­gangs­punkt hät­te die Fran­zö­si­sche Ver­fas­sung von 1793 sein kön­nen. Wei­ter­le­sen

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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil XIV

Bru­no Col­son legt dar, dass Clau­se­witz be­reits 1804 Ma­chia­vel­lis »Re­den über Ti­tus Livius´erste De­ka­de« ge­le­sen hat­te. »〈…〉 Er be­wun­der­te die Be­to­nung der Rea­li­tät der Macht durch die­sen, und wahr­schein­lich ent­wi­ckel­te er sei­ne Über­le­gun­gen über die en­gen Ver­bin­dun­gen zwi­schen Krieg und Po­li­tik erst bei sei­ner Lek­tü­re. 〈…〉« (Vergl. »Clausewitz´Realismus und sein sein Re­spekt vor dem Geg­ner«, Bur­ger Clau­se­witz­jahr­buch 2020, HG For­schungs­ge­mein­schaft Clau­se­witz Burg, S. 181 bis 183). Spä­ter, noch vor der un­glück­li­chen Dop­pel­schlacht von Je­na 1806, so Col­son, liest Clau­se­witz dar­auf­hin Gentz´»Frag­men­te aus der neu­es­ten Ge­schich­te des po­li­ti­schen Gleich­ge­wichts in Europa«.

»〈…〉 Von dem wah­ren Be­grif­fe ei­nes po­li­ti­schen Gleich­ge­wichts. Das, was man ge­wöhn­lich po­li­ti­sches Gleich­ge­wicht (ba­lan­ce du pou­voir) nennt, ist die­je­ni­ge Ver­fas­sung ne­ben ein­an­der be­stehen­der und mehr oder we­ni­ger mit ein­an­der ver­bund­ner Staa­ten, ver­mö­ge de­ren kei­ner un­ter ih­nen die Un­ab­hän­gig­keit oder die we­sent­li­chen Rech­te ei­nes an­dern, oh­ne wirk­sa­men Wi­der­stand von ir­gend ei­ner Sei­te, und folg­lich oh­ne Ge­fahr für sich selbst, be­schä­di­gen kann. 〈…〉« (Vergl. Gentz, Fried­rich, Frag­men­te aus der neus­ten Ge­schich­te des po­li­ti­schen Gleich­ge­wichts in Eu­ro­pa, St. Pe­ters­burg (Leip­zig) 1806 (=Fried­rich Gentz, Ge­sam­mel­te Schrif­ten, hg. von Kro­nen­bit­ter, Gün­ther, Bd. IV, Hil­des­heim 1997), S. 1 bis 9) Wei­ter­le­sen

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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil XV

Mit Be­en­di­gung des letz­ten Krie­ges ge­gen Na­po­le­on wuchs ei­ne sgg. Ur­bur­schen­schaft auf, die sich am 12. Ju­ni 1815, drei Ta­ge vor dem En­de der Schlacht von Wa­ter­loo am 18. Ju­ni des Jah­res, in Je­na ma­ni­fes­tier­te. Die von den Schlacht­fel­dern Eu­ro­pas heim­keh­ren­de aka­de­mi­sche Ju­gend war in­spi­riert durch die Schrif­ten Fried­rich Lud­wig Jahn´ (1778 bis 1852), Ja­kob Fried­rich Fries´(1773 bis 1843) und Ernst Mo­ritz Arndt´ (1769 bis 1860). Be­son­ders die »Volks­tums­ideen« Jahns för­der­te in die­ser Ju­gend, die bei Clau­se­witz nicht vor­teil­haft weg kam, den Wunsch nach po­li­ti­schen Ver­än­de­run­gen in Preu­ßen und den an­de­ren Staa­ten des Deut­schen Bun­des. Die Ver­fas­sungs­ur­kun­de der »Je­nai­schen Bur­schen­schaft« vom 21. Ju­ni 1815 greift in der Er­öff­nung auf ein po­li­ti­sches Lied, das Ernst Mo­ritz Arndt 1813 vor dem Be­ginn der Be­frei­ungs­krie­ge ver­fass­te, zu­rück. Wei­ter­le­sen

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Die „Unsichtbaren“ – hybride Kriege im 21. Jahrhundert … und Clausewitz? Teil I

Die „Un­sicht­ba­ren“ – hy­bri­de Krie­ge im 21. Jahr­hun­dert … und Clausewitz?

Dipl.-Mil. Oberst­leut­nant a. D. NVA Klaus-Die­ter Krug

In den ers­ten bei­den De­ka­den des 21. Jahr­hun­derts wer­den wir Zeu­gen ei­ner deut­li­chen In­ten­si­vie­rung ei­nes Phä­no­mens diffu­ser, dunk­ler und schein­bar un­be­kann­ter Me­tho­den der Kriegsführung.

Das Schlag­wort da­zu lau­tet „Hy­bri­der Krieg“. „Hy­brid“, abgelei­tet aus dem la­tei­ni­schen Wort „hy­bri­da“, ge­stat­tet hier den Rück­schluss auf „Bas­tard“ bzw. „Misch­ling“. Das heißt, ange­wendet auf Krieg und Kriegs­füh­rung er­ken­nen wir die mög­li­che Ver­mi­schung ver­schie­de­ner Ar­ten, Mit­tel und Me­tho­den der uns bis­her be­kann­ten Kriegs­for­men. Wei­ter­le­sen

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Die „Unsichtbaren“ – hybride Kriege im 21. Jahrhundert … und Clausewitz? Teil II

Fort­set­zung

Der Be­griff »Ope­ra­ti­on« oder »Ope­ra­ti­ons­plan« taucht im Schrift­tum Clau­se­witz´ be­reits im Jah­re 1804 in sei­ner Schrift »Stra­te­gie»2 auf. Sehr früh er­kennt Clau­se­witz die be­deu­ten­de Rol­le ei­nes »Ope­ra­ti­ons­pla­nes« und da­mit ope­ra­ti­ven Han­delns. Un­ter 11. Ope­ra­ti­ons­plan, Punkt 3., führt Clau­se­witz dort aus, in­dem er sich mit Phul­ls Ge­dan­ken zur Operationspla­nung aus­ein­an­der setzte:

»Ich kann nur die Ope­ra­ti­on für wahr­haf­tig ge­nia­lisch er­ken­nen, die nach dem Her­zen der feind­li­chen Mon­ar­chie ge­rich­tet ist, an­statt al­so an den Gren­zen zu na­gen, muss man da, wo die­se glück­lich ge­öff­net sind, so weit als mög­lich vor­drin­gen und des­wegen al­le Kräf­te da­hin fort­wäh­rend kon­zen­trie­ren.« 2 Wei­ter­le­sen

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Die „Unsichtbaren“ – hybride Kriege im 21. Jahrhundert … und Clausewitz? Teil III

Fort­set­zung

Be­mer­kens­wer­terwei­se lief diese Ope­ra­ti­on oh­ne Schuss­wech­sel und Ver­lus­te bei­der Sei­ten ab. Je­doch der Tod ei­nes ukrai­nischen Fähn­richs am 18. März 2014 wur­de durch ei­nen »un­bekannten« Scharf­schüt­zen verursacht.

Wir er­ken­nen hier die Leh­ren Sun­zis aus „Die Kunst des Krie­ges“, ge­schrie­ben vor 2.500 Jah­ren, wo­nach die Kunst des Sie­ges dar­in be­steht, den Wi­der­stand des Fein­des zu bre­chen, oh­ne den be­waff­ne­ten Kampf zu führen.

Die Rus­sen hat­ten 2014 ein kla­res geo­stra­te­gi­sches Ziel, ver­fügten über ei­nen sta­bi­len Ope­ra­ti­ons­plan und wa­ren in der La­ge, durch ei­ne Viel­zahl tak­ti­scher Hand­lun­gen den ge­fass­ten Plan zu ver­wirk­li­chen. Da­mit setz­ten sie die Theo­rie Clause­witz‘, wo­nach mi­li­tä­ri­sche Auf­ga­ben im In­ter­es­se der Po­li­tik ge­gen ei­nen Geg­ner auch un­ter kom­pli­zier­ten Be­din­gun­gen durch­zu­set­zen sind, ge­rad­li­nig um. Wei­ter­le­sen

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Die „Unsichtbaren“ – hybride Kriege im 21. Jahrhundert … und Clausewitz? Teil IV

Fort­set­zung

Clau­se­witz ex­em­pli­fi­ziert in sei­ner Schrift »Die wich­ti­gen Grund­sät­ze des Kriegführens«:

…un­ter III. Stra­te­gie, IV. Über die Be­fol­gung der ge­ge­be­nen Grund­sät­ze im Krie­ge»11

ei­ne Rei­he von Wirkungsfaktoren.

»Die Ur­sa­chen die­ser Frik­tio­nen er­schöp­fend auf­zu­zäh­len, ist viel­leicht nicht mög­lich, aber die haupt­säch­lichs­ten sind folgen­de. . …»12

Der Au­tor ge­stat­tet sich hier an die­ser Stel­le, die von Clause­witz ge­nann­ten acht we­sent­li­chen Ur­sa­chen mit ei­ge­nen Wor­ten ver­kürzt dar­zu­stel­len. Wei­ter­le­sen

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Die „Unsichtbaren“ – hybride Kriege im 21. Jahrhundert … und Clausewitz? Teil V

Fort­set­zung

Zwei­fels­oh­ne wir­ken sich die rea­len Ver­lus­te auf die Mo­ral der bei­den Sei­ten aus, was dem Le­ser ver­ständ­lich sein wird. Letzt­end­lich kom­men wir in der Be­trach­tung des The­mas zum Kern der Clau­se­witz­chen Kriegs­theo­rie, die na­tür­lich auch bei der Ana­ly­se des We­sens des »hy­bri­den Krie­ges« hilf­reich sein wird:

»Der Krieg ist al­so nicht nur ein wah­res Cha­mä­le­on, weil er in je­dem kon­kre­ten Fal­le sei­ne Na­tur et­was än­dert, son­dern er ist auch sei­nen Ge­samt­erschei­nun­gen nach in Be­zie­hung auf die in ihm herr­schen­den Ten­den­zen ei­ne wun­der­li­che Dreifaltig­keit, zu­sam­men­ge­setzt aus der ur­sprüng­li­chen Ge­walt­sam­keit sei­nes Ele­men­tes, dem Haß und der Feind­schaft, die wie ein blin­der Na­tur­trieb an­zu­se­hen sind, aus dem Spiel der Wahr­scheinlichkeiten und des Zu­falls, die ihn zu ei­ner frei­en See­lentätigkeit ma­chen, und aus der un­ter­ge­ord­ne­ten Na­tur ei­nes po­li­ti­schen Werk­zeu­ges, wo­durch er dem blo­ßen Ver­stan­de an­heim fällt.»15 Wei­ter­le­sen

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Die „Unsichtbaren“ – hybride Kriege im 21. Jahrhundert … und Clausewitz? Teil VI

Fort­set­zung

Wie ver­hee­rend sich im asymme­tri­schen Krieg ei­ne un­kla­re Nach­rich­ten­la­ge aus­wir­ken kann, sa­hen wir vor 10 Jah­ren, am 04. Sep­tem­ber 2009, na­he dem afghani­schen Kun­dus. Der Trup­pen­kom­man­deur des da­ma­li­gen BW-Kon­tin­gen­tes ließ ei­nen Luft­schlag auf zwei Tank­fahr­zeu­ge füh­ren, die zu­vor durch die Ta­li­ban re­qui­riert wor­den wa­ren. Dort im Füh­rungs­zen­trum war man der An­nah­me, dass die im Flusssand ste­cken­den Fahr­zeu­ge ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­dro­hung dar­stel­len würden. 

Es gab Dut­zen­de To­te, vor­ran­gig Zi­vi­lis­ten, dar­un­ter Kinder.

Aus Sicht des Au­tors ließ der ver­ant­wort­li­che Truppenkomman­deur ei­nen schwe­ren hand­werk­li­chen Feh­ler zu. Un­schar­fe Er­gebnisse der Luft­auf­klä­rung und zwei­fel­haf­te In­for­ma­tio­nen ei­nes Afghanen hät­ten nach al­len Re­geln der (ope­ra­ti­ven und tak­ti­schen) Kunst durch Nah­auf­klä­rung am Bo­den ve­ri­fi­ziert wer­den müs­sen. Wei­ter­le­sen

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Die „Unsichtbaren“ – hybride Kriege im 21. Jahrhundert … und Clausewitz? Teil VII

Fort­set­zung

Wie ver­hee­rend sich im asymme­tri­schen Krieg ei­ne un­kla­re Nach­rich­ten­la­ge aus­wir­ken kann, sa­hen wir vor 10 Jah­ren, am 04. Sep­tem­ber 2009, na­he dem afghani­schen Kun­dus. Der Trup­pen­kom­man­deur des da­ma­li­gen BW-Kon­tin­gen­tes ließ ei­nen Luft­schlag auf zwei Tank­fahr­zeu­ge füh­ren, die zu­vor durch die Ta­li­ban re­qui­riert wor­den wa­ren. Dort im Füh­rungs­zen­trum war man der An­nah­me, dass die im Flusssand ste­cken­den Fahr­zeu­ge ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­dro­hung dar­stel­len würden. 

Es gab Dut­zen­de To­te, vor­ran­gig Zi­vi­lis­ten, dar­un­ter Kin­der. Wei­ter­le­sen

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Die „Unsichtbaren“ – hybride Kriege im 21. Jahrhundert … und Clausewitz? Teil VIII

Fort­set­zung

Fa­zit

Bei der Be­trach­tung des Phä­no­mens »hy­bri­der Krieg« kom­men wir na­tür­lich auf Clau­se­witz zu­rück und neh­men im­mer wie­der zur Kenntnis:

»So se­hen wir al­so, daß der Krieg nicht bloß ein po­li­ti­scher Akt, son­dern ein wah­res po­li­ti­sches In­stru­ment ist, ei­ne Fort­setzung des po­li­ti­schen Ver­kehrs, ei­ne Durch­füh­rung dessel­ben mit an­de­ren Mit­teln.« 21 Wei­ter­le­sen

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