Urheberrecht

Ich bit­te um Be­ach­tung: Wer sich an die­sen Bei­trä­gen be­dient, um sie – ob ori­gi­nal oder in ab­ge­wan­del­ter Form – als ei­ge­ne Er­kennt­nis­se wei­ter zu ver­wen­den, han­delt nicht nur un­fair, son­dern er be­geht ei­nen Verstoß/Verstöße ge­gen das Urheberrecht.

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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil I

Wir se­hen hier ein Ge­mäl­de des deut­schen Ma­lers Gus­tav Graf ( 14. De­zem­ber 1821 in Kö­nigs­berg; † 6. Ja­nu­ar 1895 in Ber­lin) aus dem Jah­re 1860 mit dem Ti­tel »Aus­zug der ost­preu­ßi­schen Land­wehr nach der Ein­seg­nung in ei­ner Kir­che in Kö­nigs­berg 1813«.

Hin­ter die­sem Mo­tiv ver­birgt sich ei­ne au­ßer­or­dent­lich in­ter­es­san­te Ge­schich­te, mit der wir uns hier be­schäf­ti­gen wol­len. Da­bei wä­re auch zu un­ter­su­chen, wel­chen Be­zug wir zum The­ma fin­den können?

Zu­nächst je­doch zum Bild selber.

Wir se­hen Of­fi­zie­re und Land­wehr­män­ner un­ter dem Ju­bel der Bür­ger Kö­nigs­bergs aus der Kir­che schrei­ten, in der sie ge­ra­de für den Kampf ein­ge­seg­net wur­den, um ins Feld zu zie­hen. Da die Män­ner aus ei­ner Kir­che zie­hen, kön­nen wir da­von aus­ge­hen, dass es sich um Chris­ten han­delt, die so­eben durch ei­nen Pfar­rer ein­ge­schwo­ren wur­den. Auf dem Vor­platz und in den um­lie­gen­den Häu­sern ju­beln die Men­schen den Land­wehr­män­nern zu und tei­len so die da­ma­li­ge of­fen­sicht­li­che pa­trio­ti­sche Eu­pho­rie, die im Früh­jahr 1813 in Preu­ßen weit­läu­fig herrsch­te. Wei­ter­le­sen

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Emanzipation der Juden in Preußen . .…. und Clausewitz? Teil II

Nach der un­glück­li­chen Kam­pa­gne Preu­ßens 1806 und der dar­auf fol­gen­den Ge­fan­gen­schaft in Frank­reich, die er zu­sam­men mit dem Prin­zen Au­gust von Preu­ßen als des­sen Ad­ju­tant an­trat, be­gann ein sehr be­deu­ten­der Le­bens­ab­schnitt Clau­se­witz´. Die Jah­re 1807 bis 1812 hat­ten we­sent­li­chen Ein­fluss auf die Ent­wick­lung des da­mals 27-jäh­ri­gen (*1780) Of­fi­ziers. Die­se fünf Jah­re wa­ren ge­kenn­zeich­net durch ge­wal­ti­ge Um­wäl­zun­gen in Preu­ßen, die Clau­se­witz dann ab 1808 bei den füh­ren­den Köp­fen der Re­for­men in Preu­ßen sa­hen. Stein, Har­den­berg, Scharn­horst, Gnei­sen­au, Boy­en und Grol­man ga­ben Clau­se­witz die Mög­lich­keit, fe­der­füh­rend am Re­form­werk mit­zu­wir­ken. Hier wirk­te sich be­reits sein Ver­ständ­nis der his­to­ri­schen Dia­lek­tik He­gels aus, das ihn spä­ter in sei­nem Haupt­werk »Vom Krie­ge« zur Dar­stel­lung des Ver­hält­nis­ses von Po­li­tik und Krieg führ­te. An der Kriegs­aka­de­mie als Schü­ler Kie­se­wet­ters (* 04.11.1766 Ber­lin, † 09.07.1819 Ber­lin) von Kant ge­hört, ist ei­ne per­sön­li­che Be­zie­hung Clausewitz´zu He­gel nicht ge­klärt. Gleich­wohl er­ken­nen wir He­gels Dia­lek­tik in der Fra­ge »Was ist der Krieg?« (Vom Krie­ge, Ers­tes Ka­pi­tel 1. Ein­lei­tung, Ver­lag MfNV Ber­lin 1957, S.17) Wei­ter­le­sen

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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil III

Das da­ma­li­ge preu­ßi­sche Of­fi­zier­korps, dem der Va­ter Clau­se­witz und Carl Phil­lip so­wie zwei sei­ner Brü­der dann sel­ber an­ge­hör­ten, un­ter­lag zwei­fels­oh­ne dem »Es­prit de Corps«. Un­ab­hän­gig des ei­ge­nen Stel­len­wer­tes in der Hi­rar­chie ver­stan­den sich die­se Of­fi­zie­re als »Män­ner von Eh­re«. Die Ge­burt un­se­res Carls in der Fa­mi­lie ei­nes in­va­li­den Of­fi­ziers Fried­rich des II., der im nied­rigs­ten Be­am­ten­stand des kö­nig­li­chen Ac­cise-We­sens sei­nen Le­bens­un­ter­halt ver­die­nen muss­te: »〈…〉 Sein Jah­res­ge­halt be­trug an­fäng­lich 180 Ta­ler, spä­ter 225 bis 300 Ta­ler. Ab 1793 ver­füg­te Fried­rich Ga­bri­el ei­ne Gna­den­pen­si­on 〈…〉« (Vergl. E. Kes­sel – Carl von Clau­se­witz – Her­kunft und Per­sön­lich­keit, in Wis­sen und Wehr, Heft 18, Mitt­ler Ber­lin 1937) be­ein­träch­tig­te mit Si­cher­heit  das Avan­ce­ment des jun­gen Clau­se­witz und sei­ner Brüder. 

Gleich­wohl ge­hör­te die Fa­mi­lie dem pri­vi­le­gier­ten Stand im Staa­te Preu­ßen an, auch wenn der Adel der Clau­se­witz´ zwei­fel­haft war und erst am 3. Ja­nu­ar 1827 durch FW III. mit KO (Ka­bi­nets-Or­der) be­stä­tigt wur­de. Va­ter Clau­se­witz war durch­aus be­müht, sei­nen Söh­nen den »Es­prit de Corps« zu ver­mit­teln. Da­von zeugt ein Brief an Ma­rie vom 13. De­zem­ber 1806, wor­in er of­fen­sicht­lich stolz schrieb: 

»〈…〉 Wir drei jüngs­ten Brü­der sa­hen uns al­so als Edel­leu­te in der Ar­mee an­ge­stellt, und zwar mein drit­ter Bru­der nebst mir in ei­nem Re­gi­men­te (Prinz Fer­di­nand), in wel­chem nur Edel­leu­te die­nen konn­ten 〈…〉«. Wenn­gleich im sel­ben Brief und Ab­satz die Be­sorg­nis an­klang, dass da Zwei­fel hät­ten ent­ste­hen kön­ne. »〈…〉 Da wir nun Ver­wand­te hat­ten, die nicht Edel­leu­te zu sein schie­nen, so muß­te das na­tür­lich Be­sorg­nis er­we­cken, dass 〈…〉« (Vergl. »Carl und Ma­rie von Clau­se­witz- Brie­fe- Ein Le­ben im Kampf für Frei­heit und Reich«, HG. Ot­to Heu­sche­le, s.57)

Wir un­ter­su­chen hier be­wusst die­se Stan­des­fra­gen, die wo­mög­lich Ein­fluss auf die Sicht zu Re­li­gi­ons­fra­gen des Of­fi­ziers und spä­te­ren Ge­ne­rals Carl von Clau­se­witz ge­habt ha­ben könn­ten. Denn die Zeit, die wir hier im Blick ha­ben, war ge­prägt durch ei­ne über fast ein Jahr­hun­dert wäh­ren­de Aus­ein­an­der­set­zung zu theo­lo­gi­schen Fra­gen, das Exis­tenz­recht der Ju­den in Eu­ro­pa betreffend.

(Ehe­ma­li­ge Syn­ago­ge in Burg aus den Jah­ren 1851 bis 1852 – Quel­le: tu​rist​info​-burg​.de) Wei­ter­le­sen

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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil IV

Die Zeit des Be­su­ches der Kriegs­schu­le bis hin zum Er­leb­nis der Nie­der­la­ge im Krieg von 1806 war ge­prägt durch um­fang­rei­che Stu­di­en ver­schie­de­ner Be­rei­che der Ge­schichts­li­te­ra­tur, Kriegs­ge­schich­te und Phi­lo­so­phie so­wie Fra­gen der Kul­tur. »〈…〉 In sei­nen frü­hen Schrif­ten fin­den sich Hin­wei­se auf Au­toren wie Ma­chia­vel­li, Mon­tai­g­ne, Mon­tes­quieu, Ro­bert­son, Jo­han­nes von Mül­ler und Gentz 〈…〉« (Vergl. Pe­ter Pa­ret »Clau­se­witz und der Staat« Düm­ler 1993, S. 109) 

Er­staun­li­cher Wei­se er­schei­nen in die­ser Auf­zäh­lung die Na­men von Vol­taire, Jean-Jac­ques Rous­se­au, Sta­nis­las de Cler­mont-Ton­ner­re oder Paul Hen­ri Thiry d´Holbach nicht. Denn die­se Ver­tre­ter der Auf­klä­rung hat­ten sich mit den Fra­gen des Ju­den­tums in Eu­ro­pa be­schäf­tig­ten. Das mag dem noch re­la­tiv jun­gen Al­ter Clau­se­witz´ zu­ge­rech­net wer­den. Ge­wis­ser­ma­ßen ent­schul­di­gend führt Pe­ter Pa­ret in die­sem Zu­sam­men­hang an:  »〈…〉 Von 1803 bis zur Kri­se der Jah­re 1805 und 1806 zieht sich durch Clausewitz´politische Be­trach­tun­gen ei­ne gleich­blei­ben­de In­ter­pre­ta­ti­on der Si­tua­ti­on Eu­ro­pas (…) Doch wenn Clau­se­witz ver­such­te, sei­ne Ideen auf das zen­tra­le Pro­blem zu über­tra­gen, zeig­te er sich un­fä­hig, die Schwie­rig­kei­ten zu lö­sen, die der Ent­wick­lung ei­ner wirk­sa­men Po­li­tik im We­ge stan­den 〈…〉« (Vergl. Pe­ter Pa­ret »Clau­se­witz und der Staat« Düm­ler 1993, S. 107)  Wei­ter­le­sen

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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil V

Zur öko­no­misch be­grün­de­ten Judenfeindschaft

Seit dem Mit­tel­al­ter leb­ten die Ju­den in Eu­ro­pa und so­mit auch in Preu­ßen in ei­ner auf­ok­troy­ier­ten Be­rufs­struk­tur, die sie aus hand­werk­li­chen Zünf­ten aus­schloss, ih­nen Grund­be­sitz ver­wehr­te und den Zu­gang zum Mi­li­tär und Staats­dienst aus­schloss. Wei­ter oben wur­de das schon er­wähnt. Das be­wuss­te Hin­ein­drän­gen in Fel­der des Fi­nanz­sys­tems, Han­del und Geld­ver­leih (sie­he Hirsch) führ­te zu ei­ner wei­te­ren Ab­son­de­rung der Ju­den vom üb­ri­gen Volk der Län­der. Dar­an än­der­te auch das oben er­wähn­te »Ge­ne­ral-Re­gle­ment« F. II. so gut wie nichts. Le­dig­lich die Vor­tei­le wuss­te der Peu­ßen­kö­nig für sich zur Fi­nan­zie­rung sei­nes 7jährigen Krie­ges und zum Pa­lais-Bau in Ber­lin zu nutzen.

»〈…〉 ein Ka­pi­tel aus ei­nem sei­ner­zeit po­pu­lä­ren his­to­ri­schen Ro­man der Schrift­stel­le­rin Loui­se Mühl­bach (ei­gentl. Cla­ra Mundt, 1814 bis 1873), Fried­rich der Gro­ße und sein Hof; es heißt „Der Kron­prinz und der Ju­de“ und schil­dert ei­ne Au­di­enz Vei­tel Hei­ne Ephraims bei Kron­prinz Fried­rich in Rheins­berg. Die li­te­ra­ri­sche Ge­stal­tung die­ser Sze­ne durch die Au­torin Mühl­bach zeigt ei­nen Ju­den, der ab­hän­gig ist von den Lau­nen des Kron­prin­zen, der aber auch selbst­be­wußt auf­zu­tre­ten und sein Recht ein­zu­for­dern weiß. Auf der an­de­ren Sei­te steht ein stol­zer, aber schließ­lich doch ein­sich­ti­ger Kron­prinz: Wenn er kann, steht er zu sei­nen Ver­pflich­tun­gen. Die Au­torin ver­sucht, das un­gleich­ge­wich­ti­ge Ver­hält­nis der bei­den fik­tio­nal zu ge­stal­ten. Die Sze­ne ist frei er­fun­den, ba­siert aber auf his­to­ri­schem Quel­len­stu­di­um der Schrift­stel­le­rin: so könn­te ei­ne Be­geg­nung der bei­den ab­ge­lau­fen sein 〈…〉« (Vergl. Gom­perz, Ephraim, It­zig – Er­folg und Be­drü­ckung der „Hof­ju­den“ Fried­richs II. Vor­trag, Tho­mas Bre­chen­ba­cher, ephraim​-vei​tel​-stif​tung​.de)

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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil VI

Zur »ras­sis­tisch mo­ti­vier­ten Judenfeindschaft«.

Wir ha­ben im Teil I un­se­rer Be­trach­tung er­wähnt »〈…〉 Das Ban­ner »Li­ber­té, Ega­li­té, Fra­ter­ni­té« wirk­te auch in Preu­ßen auf das Be­wusst­sein, für glei­che Rech­te und Pflich­ten al­ler Bür­ger des Lan­des einzutreten. 〈…〉«

In Preu­ßen wirk­te die­ser Im­puls in viel­fäl­ti­ger Wei­se in fast al­len Schich­ten der da­ma­li­gen Be­völ­ke­rung. So­mit auch in der jü­di­schen Ge­mein­schaft des Lan­des. Be­son­ders in Ber­lin ent­wi­ckel­te sich ei­ne in­tel­lek­tu­el­le Ba­sis, die ge­prägt war vom frü­he­ren Wir­ken Mo­ses Men­del­sons (1729 bis 1786) und Gott­hold Ephraim Les­sings  (*1729 † 1781). Les­sings Schau­spiel »Na­than der Wei­se« von 1783 war, wie er sel­ber for­mu­lier­te, »〈…〉 das Re­sul­tat ei­ner sehr ernst­haf­ten Be­trach­tung über die schimpf­li­che Un­ter­drü­ckung, in wel­cher ein Volk seuf­zen muß, das ein Christ, soll­te ich mei­nen, nicht oh­ne ei­ne Art von Ehr­er­bie­tung be­trach­ten kann. 〈…〉« (Les­sing, Gott­hold Ephraim – Wer­ke und Brie­fe, 12 Bän­de, HG W. Bar­ner, Frank­furt am Main, Bd.1, S. 1152)

(Les­sing und Jo­hann Cas­par La­va­ter zu Gast bei Mo­ses Men­delsohn, Ge­mäl­de von M.D. Op­pen­heim – Quelle:Wikipedia)

Der preu­ßi­sche Staats­rat Chris­ti­an Wil­helm von Dohm (*1751 † 1820) ein Freund Men­delsohns griff die Be­mü­hun­gen der jü­di­schen Be­we­gung der »Haska­la« (mit Hil­fe des Ver­stan­des auf­klä­ren) auf , und trat für die gleich­be­rech­tig­te Stel­lung der Ju­den in Preu­ßen ein. 1781 er­schien sein Buch »Über die bür­ger­li­che Ver­bes­se­rung der Ju­den«. » 〈…〉Ähn­lich wie schon Les­sing vor ihm er­klär­te er die elen­de so­zia­le La­ge der Ju­den nicht aus ir­gend­wel­chen na­tür­li­chen An­la­gen oder re­li­giö­sen Ge­bräu­chen, son­dern viel­mehr aus der jahr­hun­der­te­lan­gen Un­ter­drü­ckung durch die christ­li­che Um­welt. 〈…〉« (Vergl. Der Deut­sche Weg der Ju­den­eman­zi­pa­ti­on 1789–1938, Wal­ter Grab, Piper/Zürich, S.13) Wei­ter­le­sen

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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil VII

Die Christ­lich-Deut­sche Tisch­ge­sell­schaft – Die frü­he Form ei­ner in­tel­lek­tu­ell-po­li­tisch ver­bräm­ten Ver­ei­ni­gung mit ju­den­feind­li­chen Farbschattierungen.

Über den Jah­res­wech­sel 1809 zu 1810 kehr­te der Preu­ßi­sche Hof wie­der nach Ber­lin zu­rück. Mit im Ge­fol­ge Ca­pi­tai­ne und Bü­ro­chef Scharnhorst´s, Carl von Clau­se­witz. Die Chan­cen für sein mi­li­tä­ri­sches Avan­ce­ment wa­ren aus­sichts­reich, und so­mit stand auch der Ver­bin­dung mit Ma­rie nichts mehr im We­ge. Die Grä­fin Brühl-Mut­ter war dem Clau­se­witz nicht zu­ge­neigt, hat­te mit von Stein an­de­re Plä­ne für Toch­ter Ma­rie ver­folgt. Clau­se­witz war nun­mehr auch durch die Ver­bin­dung mit dem Hau­se Brühl in Ber­lin nicht mehr un­be­kannt und ge­wann an Bedeutung.

Clau­se­witz kehr­te in ein Ber­lin zu­rück, das zu­neh­mend von ei­ner deut­lich spür­ba­ren Ro­man­tik, auf den Flü­geln Schlei­er­ma­chers durch E.T.A Hoff­mann, Jo­seph von Ei­chen­dorff, Lud­wig Tieck, Bet­ti­na von Ar­nim, die Ge­brü­der Grimm, No­va­lis (ei­gent­lich Ge­org Phil­ipp Fried­rich von Har­den­berg) , Cle­mens Bren­ta­no u. a., ge­prägt war. Das in­tel­lek­tu­el­le Le­ben Ber­lins hat­te sich um die Jahr­hun­dert­wen­de bis zum Jahr 1806 in Sa­lons jü­di­scher Frau­en, wie Hen­ri­et­te Herz, Ra­hel Varn­ha­gen und Do­ro­thea Schle­gel eta­bliert, die zu Eman­zi­pa­ti­ons­or­ten ge­wor­den waren.

(Ra­hel Varn­ha­gen von En­se, geb. Le­vin (ge­bo­ren am 19. Mai 1771 in Ber­lin; ge­stor­ben am 7. März 1833( Quel­le: Wi­ki­pe­dia)

Der­ar­ti­ge Sa­lons wur­den in die­ser Zeit Treff­punkt der Eli­ten, des Adels, des Mi­li­tärs, der Wis­sen­schaft, der Dich­ter, der Mu­si­ker und Ma­ler. Auch nach 1806, al­so im Jahr 1810, gab es Treff­punk­te die­ser Art in ähn­li­cher Form. Wei­ter­le­sen

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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil VIII

Hein­rich von Kleist, Dich­ter und ge­we­se­ner Lieu­ten­ant der preu­ßi­schen Ar­mee, schreibt:

»〈…〉 Die Je­nen­si­sche An­fein­dung wür­de be­lang­los sein, wä­re sie nicht ei­ne Be­gleit- oder Fol­ge­er­schei­nung von Vor­gän­gen, die im Som­mer 1811 in Ber­lin sich ab­spiel­ten und al­le Welt ei­ne Zeit­lang un­ter­hiel­ten. Es han­delt sich um den tät­li­chen Über­fall Mo­ritz It­zigs auf Ar­nim. 〈…〉«  (Vergl. Hein­rich von Kleists Kämp­fe, Rein­hold Steig, Ver­lag von W. Spe­mann 1901, S. 632)

»〈…〉 It­zig und Ar­nim sind bei­de ge­blie­ben – je­ner bei Lüt­zen, die­ser hin­ter dem Ofen 〈…〉« ( Vergl. Hil­de Spiel »Fan­ny von Arn­stein oder die Eman­zi­pa­ti­on« F. a. M. 1962 S.404)

Die­se Kurz­fas­sung ei­nes Spott-Ge­dich­tes auf Achim von Ar­nim, ver­fasst durch das li­be­ra­le Mit­glied der Tisch­ge­sell­schaft Fried­rich Au­gust von Sta­e­ge­mann (*1763 †1840), zeugt von der Dis­so­nanz zwi­schen den ein­zel­nen Män­nern die­ser Un­ter­neh­mung. Ei­ne pro­gram­ma­tisch ge­woll­te Ju­den­feind­schaft in­ner­halb die­ser Ge­sell­schaft, so wie sie Achim von Ar­nim, Bren­ta­no, Beuth und an­de­re dar­stell­ten, wur­de nicht durch al­le Mit­glie­der geteilt.

Die Ge­schich­te da­hin­ter ist kurz zu­sam­men­ge­fasst erzählt.

Ar­nim er­schien im Mai 1811 oh­ne per­sön­li­che Ein­la­dung im Sa­lon der deutsch-jü­di­schen Sa­ra Le­vi, ei­ner ge­bo­re­nen It­zig. Dort pfleg­te man ei­ne of­fe­ne li­be­ra­le At­mo­sphä­re. Der un­ge­be­te­ne Gast er­schien in »Pum­p­ho­sen«, ei­ne Art Tur­ner­an­zug, wie er auf dem Turn­platz bei Jahn ge­tra­gen wur­de und be­nahm sich nicht stan­des­ge­mäß. Ar­nim pro­vo­zier­te die Gast­ge­be­rin und de­ren Gäs­te. Die Si­tua­ti­on spitz­te sich zu, als der Nef­fe Sa­ra Le­vys sich be­mü­ßigt sah, Ar­nim zu ta­deln. Nef­fe Mo­ritz It­zig, Nach­kom­me ei­ner in zwei­ter Ge­nera­ti­on in Preu­ßen na­tu­ra­li­sier­ten Ge­nera­ti­on ei­ner jü­di­schen Fa­mi­lie, be­trach­te­te sich dem »von Ar­nim« durch­aus eben­bür­tig. Wei­ter­le­sen

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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil IX

Das Preu­ßi­sche Of­fi­ziers­korps am An­fang des 19. Jahr­hun­derts war mehr­heit­lich noch ge­prägt von der fri­de­ri­zia­ni­schen Zeit. Dass sich die­ser Stand mit den re­vo­lu­tio­nä­ren Ver­än­de­run­gen im Staats­we­sen Preu­ßens mehr als schwer tat, liegt in der Lo­gik der Dinge.

Die Fol­gen des Ok­to­ber­edikts von 1807 grif­fen sub­stan­ti­ell in das Adels­ge­fü­ge Preu­ßens ein, da sich die tra­di­tio­nel­le Stan­des­wirt­schaft mas­siv zu ver­schie­ben droh­te. Die Ge­stat­tung des frei­en Han­dels mit Grund­be­sitz, die Auf­he­bung der Leib­ei­gen­schaft der Bau­ern und der Pa­tri­mo­ni­al­hier­ar­chie, rüt­tel­ten an den Grund­pfei­lern der ad­li­gen Ge­sell­schaft die­ser Zeit. Das auf­stre­ben­de Bür­ger­tum er­öff­ne­te sich mit Fleiß, Ord­nung und Spar­sam­keit die Mög­lich­keit, in die Pha­lanx des al­ten Adels ein­zu­bre­chen. Der Grund­be­sitz war nicht mehr das ent­schei­den­de Kri­te­ri­um der Macht, son­dern der Be­sitz frei ver­füg­ba­rer Geldmittel.

Ei­ne be­son­de­re Be­dro­hung sah der Adel im Auf­tau­chen jü­di­scher Kauf­leu­te in ih­rem an­ge­stamm­ten »Jagd­re­vier«, wie wir wei­ter oben bei Achim von Ar­nim be­ob­ach­ten konn­ten. Es lag in der Na­tur der Din­ge, dass der Adel ver­such­te, sich vom Bür­ger­tum all­ge­mein und vom Ju­den­tum be­son­ders ab­zu­set­zen. F. W. III. spür­te wohl die­se Ma­lai­se und ver­such­te, sein ei­ge­nes Edikt zu re­la­ti­vie­ren und durch For­mu­lie­run­gen in sei­ner ihm ei­ge­nen Spra­che ab­zu­schwä­chen »〈…〉 nie­mand sei­ne Eh­re ge­kränkt hal­ten kann 〈…〉« (Vergl. Ka­bi­netts­or­der 〈KO〉 vom 3. Sep­tem­ber 1807, nach Zun­kel, Fried­rich: Eh­re , HG Brun­ner & Ot­to Bd.2 S.37)

Schlag­wor­te wie »rit­ter­li­che, hö­fi­sche, ade­li­ge Eh­re« be­gan­nen an Be­deu­tung zu ver­lie­ren. Die Rol­le des Adels als tra­gen­de Säu­le des Staa­tes war in Ge­fahr, wie Fried­rich Au­gust von der Mar­witz – wir konn­ten das wei­ter oben be­ob­ach­ten – wahr­schein­lich fürch­te­te. Im Fahr­was­ser die­ser ge­sell­schaft­li­chen Er­schei­nun­gen ha­ben ju­den­feind­li­che Äu­ße­run­gen aus dem Krei­se der da­ma­li­gen Of­fi­zie­re der un­ter­schied­lichs­ten Rang­ebe­nen durch­aus Ge­mein­sam­kei­ten. Die Mo­ti­ve je­des Ein­zel­nen wa­ren in córpore zu betrachten.
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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil X

Wir schrei­ben das Jahr 1812. Carl von Clau­se­witz hat­te im März den Ent­schluss ge­fasst, die preu­ßi­sche Ar­mee zu ver­las­sen und in rus­si­sche Diens­te zu tre­ten. Ei­ni­ge Wo­chen vor die­sem mu­ti­gen Schritt hat­te er sei­ne »Be­kennt­nis­schrift«, wir ver­wie­sen be­reits dar­auf, ver­fasst und ab­ge­legt. Bei­des, der Über­tritt in die rus­si­schen Streit­kräf­te und die Schrift wa­ren ei­ne deut­li­che Kampf­an­sa­ge an die »fran­zö­si­sche Par­tei« am preu­ßi­schen Hof.

Die­se Ent­schei­dung war in­so­fern von gro­ßer Be­deu­tung, weil Clau­se­witz in Ge­fahr lief, ge­gen preu­ßi­sche Ka­me­ra­den und wo­mög­lich ge­gen sei­ne bei­den Brü­der kämp­fen zu müs­sen, die ih­rem Kö­nig folg­ten, der mit Na­po­le­on ein Mi­li­tär­bünd­nis ein­ge­gan­gen war. Die­se schwer­wie­gen­de Ge­wis­sens­fra­ge, der sich Clau­se­witz stell­te, be­ur­teil­te Wer­ner Hal­weg so: »〈…〉 Wenn Clau­se­witz sich hier ge­gen die Auf­fas­sung sei­nes Kö­nigs und der preu­ßi­schen Re­gie­rung ent­schied, so ent­sprang dies ge­wiß nicht der Nei­gung zu blo­ßem Po­li­ti­sie­ren. Er be­wies viel­mehr vor­bild­haft durch sein Ver­hal­ten, daß die Ge­hor­sam­s­pflicht des Sol­da­ten ge­gen­über Re­gie­rung und Kö­nig dort ih­re Gren­zen fin­den kann, wo ihr Sinn auf Grund be­son­de­rer Not­stän­de von Staat und Volk in Fra­ge ge­stellt er­scheint – erst Recht, wenn dies im Rah­men ei­ner eben­so sorg­fäl­ti­gen wie kri­ti­schen Prü­fung er­här­tet wird. 〈…〉« (Vergl. Wer­ner Hal­weg »Clau­se­witz Sol­dat-Po­li­ti­ker-Den­ker, Mus­ter­schmidt-Ver­lag, 1969, S. 42 bis 43) Wei­ter­le­sen

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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil XI

Die pa­trio­ti­sche Stim­mung im Jahr 1813 er­fass­te vie­le Ju­den in Preu­ßen, die nun zur Fah­ne eil­ten. Sie dach­ten, dass ih­re Sa­che zum Durch­bruch ge­langt war. Ge­mäß des § 16 des wei­ter oben ge­schil­der­ten »Eman­zi­pa­ti­ons­edikts« heg­te nie­mand mehr Zwei­fel an der Mi­li­tär­pflicht preu­ßi­scher Ju­den. Dar­in hieß es: »〈…〉 Der Mi­li­ta­ir-Kon­scrip­ti­on oder Kan­tons­pflich­tig und den da­mit in Ver­bin­dung ste­hen­den be­son­de­ren ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten sind die ein­län­di­schen Ju­den gleich­falls un­ter­wor­fen. Die Art und Wei­se der An­wen­dung die­ser Ver­pflich­tung auf sie wird durch die Ver­ord­nung we­gen der Mi­li­ta­ir- Kon­scrip­ti­on nä­her be­stimmt wer­den. 〈…〉« (Preu­ßi­sche Ge­setz­samm­lung 1812, S. 17 f. Ernst Ru­dolf Hu­ber, Do­ku­men­te zur deut­schen Ver­fas­sungs­ge­schich­te Band 1, Ver­lag Kohl­ham­mer)

Zu den Frei­wil­li­gen ge­hör­te u. a. auch der Dich­ter Fried­rich Ba­ron de la Mot­te-Fo­qué (* 1777 † 1843 ), der sich frei­wil­lig für das Jä­ger­de­tache­ment des Bran­den­bur­gi­schen Kür­as­sier­re­gi­ments mel­de­te. Grund­la­ge da­für bot die »Ver­ord­nung über die Auf­stel­lung frei­wil­li­ger Jä­ger­ver­bän­de« vom 03.02.1813. Wor­in ge­re­gelt war, dass sich die Frei­wil­li­gen selbst klei­den, be­waff­nen und be­rit­ten ma­chen konn­ten. Dar­über hin­aus stell­te F. W. III. den Frei­wil­li­gen ein be­ruf­li­ches Fort­kom­men in Aussicht.

(Fried­rich Ba­ron de la Mot­te-Fo­qué) Quel­le: Wi­ki­pe­dia Wei­ter­le­sen

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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil XII

Die Na­tio­nal­be­we­gung, ge­rich­tet ge­gen die na­po­leo­ni­sche He­ge­mo­ni­al­macht, hat­te wei­te Tei­le Eu­ro­pas, hier vor al­lem Preu­ßen, po­li­tisch, mi­li­tä­risch, öko­no­misch, re­li­gi­ös und na­tür­lich auch geis­tig in ei­ne nie zu­vor ge­se­he­ne Be­we­gung ge­bracht. Der Kampf der Ele­men­te des for­mel­len Fort­schrit­tes, ge­bracht durch die fran­zö­si­sche Re­vo­lu­ti­on, mit den Er­schei­nun­gen des Des­po­tis­mus Na­po­le­ons, schlug sich un­mit­tel­bar in den Be­frei­ungs­krie­gen nie­der. Ei­nes der Ele­men­te die­ser Be­we­gung war die ein­ge­lei­te­te Eman­zi­pa­ti­on der preu­ßi­schen Ju­den, die ein­her ging mit ana­lo­gen Be­mü­hun­gen in na­he­zu al­len deut­schen Teil­staa­ten und Österreich.

Un­se­re Be­mü­hun­gen bis­her wa­ren dar­auf ge­rich­tet, den An­teil Carl von Clau­se­witz´ bzw. sei­ne per­sön­li­che Sicht zu Fra­gen der Ju­den in Preu­ßens dar­zu­stel­len. Wie wir bis­her ge­se­hen ha­ben, bie­tet die Quel­len­la­ge nicht viel, au­ßer die da­mals be­rech­tigt ge­äu­ßer­te Feind­schaft, den Kai­ser der Fran­zo­sen be­tref­fend, und ei­ne Rei­se­schil­de­rung, die über­wie­gend xe­no­phob for­mu­liert war. Für bei­de Fak­ten hat­ten wir ei­ne mög­li­che Er­klä­rung des­sen an­ge­bo­ten, oh­ne For­mu­lie­run­gen in In­halt und Form zu ent­schul­di­gen. Wei­ter­le­sen

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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil XIII

Der 2. Pa­ri­ser Frie­den mit dem De­fi­ni­tiv-Trac­tat, am 20. No­vem­ber 1815 zwi­schen dem Kai­ser von Ös­ter­reich und sei­nen Al­li­ier­ten, dem Za­ren von Russ­land, dem Kö­nig von Preu­ßen und dem Kö­nig von Frank­reich ab­ge­schlos­sen, setz­te den end­gül­ti­gen Schluss­punkt hin­ter die sechs eu­ro­päi­schen Ko­ali­ti­ons­krie­ge von 1792 bis 1815. Mit dem sechs­ten Krieg en­de­ten für Preu­ßen die op­fer­rei­chen Be­frei­ungs­krie­ge von 1813 bis 1815. Da­mit wur­de auch der Schluss­punkt hin­ter dem 1. Pa­ri­ser Frie­den vom 30. Mai 1814 ge­setzt, an dem noch Eng­land be­tei­ligt war. Die Ra­ti­fi­zie­rung des De­fi­ni­tiv-Trac­tats lag den Mon­ar­chen am 16. Fe­bru­ar 1816 vor.

Noch vor dem 2. Pa­ri­ser Frie­den un­ter­zeich­ne­ten Fried­rich Wil­helm III., der ös­ter­rei­chi­sche Kai­ser und der rus­si­sche Zar am 26. Sep­tem­ber 1815 die Grün­dungs­er­klä­rung der »Hei­li­gen Al­li­anz«. Da­mit wur­de für ei­ne län­ge­re Zeit in Mit­tel­eu­ro­pa Frie­den gewährleistet.

Die aus den Krie­gen von 1813/14/15 heim­keh­ren­den jü­di­schen Frei­wil­li­gen und kon­skri­bier­ten jü­di­schen Män­ner Preu­ßens ka­men zu­rück mit der Hoff­nung, dass Kö­nig und Staat Wort hal­ten wür­den. Ver­spro­chen war die Frei­heit des Bür­gers und ei­ne Ver­fas­sung. Der ös­ter­rei­chi­sche Staats­recht­ler Ge­org Jel­li­nek (1851 bis 1911) de­fi­nier­te den Be­griff »Staats­ver­fas­sung« so: »〈…〉 Je­der dau­ern­de Ver­band be­darf ei­ner Ord­nung, der ge­mäß sein Wil­le ge­bil­det und voll­zo­gen, sein Be­reich ab­ge­grenzt, die Stel­lung sei­ner Mit­glie­der in ihm und zu ihm ge­re­gelt wird. Ei­ne der­ar­ti­ge Ord­nung heißt ei­ne Ver­fas­sung. 〈…〉« (Vergl. All­ge­mei­ne Staats­leh­re, G. Jel­li­nek: Erkl. der Men­schen- und Bür­ger­rech­te; der­sel­be: Das Recht der Mi­no­ri­tä­ten 1898 S. 7ff.) Aus­gangs­punkt hät­te die Fran­zö­si­sche Ver­fas­sung von 1793 sein kön­nen. Wei­ter­le­sen

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Emanzipation der Juden in Preußen. … und Clausewitz? Teil XIV

Bru­no Col­son legt dar, dass Clau­se­witz be­reits 1804 Ma­chia­vel­lis »Re­den über Ti­tus Livius´erste De­ka­de« ge­le­sen hat­te. »〈…〉 Er be­wun­der­te die Be­to­nung der Rea­li­tät der Macht durch die­sen, und wahr­schein­lich ent­wi­ckel­te er sei­ne Über­le­gun­gen über die en­gen Ver­bin­dun­gen zwi­schen Krieg und Po­li­tik erst bei sei­ner Lek­tü­re. 〈…〉« (Vergl. »Clausewitz´Realismus und sein sein Re­spekt vor dem Geg­ner«, Bur­ger Clau­se­witz­jahr­buch 2020, HG For­schungs­ge­mein­schaft Clau­se­witz Burg, S. 181 bis 183). Spä­ter, noch vor der un­glück­li­chen Dop­pel­schlacht von Je­na 1806, so Col­son, liest Clau­se­witz dar­auf­hin Gentz´»Frag­men­te aus der neu­es­ten Ge­schich­te des po­li­ti­schen Gleich­ge­wichts in Europa«.

»〈…〉 Von dem wah­ren Be­grif­fe ei­nes po­li­ti­schen Gleich­ge­wichts. Das, was man ge­wöhn­lich po­li­ti­sches Gleich­ge­wicht (ba­lan­ce du pou­voir) nennt, ist die­je­ni­ge Ver­fas­sung ne­ben ein­an­der be­stehen­der und mehr oder we­ni­ger mit ein­an­der ver­bund­ner Staa­ten, ver­mö­ge de­ren kei­ner un­ter ih­nen die Un­ab­hän­gig­keit oder die we­sent­li­chen Rech­te ei­nes an­dern, oh­ne wirk­sa­men Wi­der­stand von ir­gend ei­ner Sei­te, und folg­lich oh­ne Ge­fahr für sich selbst, be­schä­di­gen kann. 〈…〉« (Vergl. Gentz, Fried­rich, Frag­men­te aus der neus­ten Ge­schich­te des po­li­ti­schen Gleich­ge­wichts in Eu­ro­pa, St. Pe­ters­burg (Leip­zig) 1806 (=Fried­rich Gentz, Ge­sam­mel­te Schrif­ten, hg. von Kro­nen­bit­ter, Gün­ther, Bd. IV, Hil­des­heim 1997), S. 1 bis 9)

Gentz schrieb die »Frag­men­te« nach dem 14. Sep­tem­ber 1805, an­ge­sichts der dro­hen­den Nie­der­la­ge Ös­ter­reichs ge­gen Na­po­le­on Bo­na­par­te. »〈…〉 Am 14.September fand end­lich ei­ne gro­ße Ver­söh­nung zwi­schen dem Graf Co­ben­zl* und mir statt. Ich ent­schloß mich nun, für Ös­ter­reich die Fe­der zu er­grei­fen, und ent­warf den Plan zu ei­nem Wer­ke über das po­li­ti­sche Gleich­ge­wicht. 〈…〉« (Vergl. Fried­rich von Gentz, Ta­ge­bü­cher, Leip­zig 1873, S. 49)

*Jo­hann Lud­wig Graf von Co­ben­zl (* 1753 bis 1809) Mi­nis­ter für aus­wär­ti­gen An­ge­le­gen­hei­ten Ös­ter­reichs 1801 bis 1805)is-Fderdinan

Über den Prin­zen Lu­is Fer­di­nand von Preu­ßen, der bis zum Vor­abend der Dop­pel­schlacht von Je­na und Au­er­stedt 1806 mit Gentz in Ver­bin­dung stand, er­lang­te wo­mög­lich Clau­se­witz Kennt­nis vom Text Gentz´. Wohl letzt­ma­lig traf Genz mit dem Prin­zen un­ter dem 6. Sep­tem­ber 1806 zu­sam­men. (Vergl. Fried­rich von Gentz, Ta­ge­bü­cher, Leip­zig 1873, S. …) Lu­is-Fer­di­nand blieb am 10. Ok­to­ber in ei­nem un­glück­lich ge­führ­tem Ge­fecht bei Saal­feld. Clau­se­witz schrieb dar­über am 12. Ok­to­ber 1806 an sei­ne Braut Ma­rie »〈…〉 Der Tod des Prin­zen hat fast der gan­zen Ar­mee Trau­er ge­kos­tet; das Ge­fecht selbst ist oh­ne al­le Fol­gen. Über­mor­gen oder in zwei bis drei Ta­gen wird es zur gro­ßen Schlacht kom­men, der die gan­ze Ar­mee ent­ge­gen­sieht. 〈…〉« (Vergl. »Karl und Ma­rie von Clau­se­witz« Ein Le­bens­bild in Brie­fen und Ta­ge­buch­blät­tern, Karl Lin­ne­bach, Ver­lag Warneck, Ber­lin 1906, S. 67)

Fried­rich Wil­helm der III. be­merk­te zum Tod des Nef­fen Fried­rich des Gro­ßen la­ko­nisch: »〈…〉 Hat wie ein tol­ler Mensch ge­lebt, ist wie ein tol­ler Mensch ge­stor­ben, die Schar­te nur klein, muß aber aus­ge­wetzt wer­den. 〈…〉« (Vergl. Prinz Lou­is Fer­di­nand von Preu­ßen Ge­stalt ei­ner Zei­ten­wen­de, E. Kleß­mann, List Ver­lag, 1972, S. 251) In sei­ner Zeit nann­te man den Prin­zen auch den »preu­ßi­schen Apoll«. Die­ser Mann, der nicht nur den De­gen füh­ren konn­te, son­dern der Nach­welt vier­zehn Kom­po­si­tio­nen hin­ter­ließ, die Beet­ho­ven be­acht­lich fand und Goe­the hör­te, er­freut sich bis heu­te ei­ner ro­man­ti­schen Ver­eh­rung. Beet­ho­ven wid­me­te dem Prin­zen sein 3. Kla­vier­kon­zert c moll, op. 37, und Fon­ta­ne ihm elf Stro­phen ei­nes sei­ner Ge­dich­te. Hier nur der ers­te Vers:

Prinz Lou­is-Fer­di­nand

Sechs Fuß hoch aufgeschossen,
Ein Kriegs­gott anzuschaun,
Der Lieb­ling der Genossen,
Der Ab­gott schö­ner Fraun,
Blau­äu­gig, blond, verwegen
Und in der jun­gen Hand
Den al­ten Preußendegen –
Prinz Lou­is Fer­di­nand. (Vergl. Theo­dor Fontane
Aus der Samm­lung Deut­sches. Mär­kisch-Preu­ßi­sches)

Clau­se­witz, of­fen­sicht­lich be­ein­druckt von die­ser Schrift, woll­te die »Gent­z­schen Frag­men­te« in die Köp­fe der preu­ßi­schen Mi­nis­ter brin­gen, so Col­son wei­ter. Es ist an­zu­neh­men, dass sich »die Frag­men­te« des Preu­ßen Gentz, im Diens­te Ös­ter­reichs, in »Vom Krie­ge« wi­der­spie­geln, wenn Clau­se­witz die Re­sul­ta­te der Be­frei­ungs­krie­ge, nach 1815 be­trach­tend, schreibt: »〈…〉 Die po­li­ti­schen In­ter­es­sen, An­zie­hun­gen und Ab­sto­ßun­gen hat­ten sich zu ei­nem sehr ver­fei­ner­ten Sys­tem­ten aus­ge­bil­det, so daß kein Ka­no­nen­schuß in Eu­ro­pa ge­sche­hen konn­te, oh­ne daß al­le Ka­bi­net­te ih­ren Teil dar­an hat­ten. 〈…〉« (Clau­se­witz »Vom Krie­ge«, HG Hal­weg, VIII, Kap 3.B, zi­tiert durch Col­son in Bur­ger Clau­se­witz Jahr­buch 2020, S. 186)

Lou­is Fer­di­nand von Preu­ßen (1772 bis 1806) Quel­le: Wikipedia

Clau­se­witz be­ob­ach­te­te al­so schon als jun­ger Of­fi­zier die We­ge der eu­ro­päi­schen Po­li­tik, die im­mer auch ihn per­sön­lich be­tra­fen. Zum Zeit­punkt sei­nes Diens­tes in Ko­blenz un­ter Gnei­sen­au wird ihm im­mer mehr be­wusst wer­den, wor­in die Ur­sa­chen der ko­los­sa­len Ver­än­de­run­gen in Eu­ro­pa la­gen. Spä­ter for­mu­liert er in »Vom Krie­ge«: »〈…〉 Die un­ge­heu­ren Wir­kun­gen der fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on nach au­ßen sind aber of­fen­bar viel we­ni­ger in neu­en Mit­teln und An­sich­ten ih­rer Kriegs­füh­rung als in der ganz ver­än­der­ten Staats- und Ver­wal­tungs­kunst, in dem Cha­rak­ter der Re­gie­rung, in dem Zu­stan­de des Vol­kes usw. zu su­chen. 〈…〉« (Vgl. Clau­se­witz »Vom Krie­ge«, Ver­lag MfNV, Bln. 1957, S. 733) 

Mes­ser­scharf er­kann­te Clau­se­witz al­te und neue Feh­ler der Po­li­tik, wo­mög­lich die Wir­kung des Wie­ner Kon­gres­ses be­trach­tend, in dem er eben da for­mu­liert: »〈…〉 Man kann al­so sa­gen: Die zwan­zig­jäh­ri­gen Sie­ge der Re­vo­lu­ti­on sind haupt­säch­lich die Fol­ge der feh­ler­haf­ten Po­li­tik der ihr ge­gen­über ste­hen­den Re­gie­run­gen. 〈…〉« (Vgl. Clau­se­witz »Vom Krie­ge«, Ver­lag MfNV, Bln. 1957, S. 734)  Wie ein ro­ter Fa­den durch­zie­hen die Fra­gen des Gleich­ge­wichts der Kräf­te Clausewitz´Denken. Wir wer­den dar­auf zu­rück­kom­men, wenn wir sei­ne Sicht auf die re­vo­lu­tio­nä­ren Er­eig­nis­se der Jah­re 1830/31 dar­stel­len werden.

Zu­nächst aber wird Carl in Ko­blenz mit dem Jahr 1816 an der Ar­beit sei­nes mo­nu­men­ta­len Wer­kes »Vom Krie­ge« be­gin­nen, wo­mit er bis zum Jah­re 1830, ne­ben sei­nen all­ge­mei­nen Dienst­ob­lie­gen­hei­ten, be­schäf­tigt sein wird. Da­zu Paul Don­ker ***: »〈…〉 Selbst er­wähnt Clau­se­witz in ei­nem kur­zen Brief an sei­nen gu­ten Freund Graf Carl von der Grö­ben zum ers­ten Mal, dass er an ei­nem Buch ar­bei­tet; die­ser Brief wur­de ver­mut­lich am 17. Mai 1816 aus Ko­blenz ver­sandt. Nach ein paar ein­füh­ren­den Be­mer­kun­gen schreibt er Fol­gen­des: Was die Ar­beit be­trifft, von wel­cher Graf Gnei­sen­au ge­spro­chen, so ken­nen Sie die ers­te Pro­be da­von schon. Ich ha­be im ver­flos­se­nen Win­ter in die­ser Ma­nier den größ­ten Theil der Stra­te­gie be­ar­bei­tet, al­lein das Ma­nu­skript eig­net sich gar nicht zu ei­ner Mit­tei­lung, da es lau­ter ro­he Werk­stü­cke sind, die noch viel­fäl­tig be­ar­bei­tet, auch zum Theil viel­leicht ganz ver­wor­fen wer­den müs­sen. 〈…〉« (Vergl. Der Pan­zer­gre­na­dier, 21. Jahr­gang, Vol. 41, Is­sue 1/2017, S.69 bis 79)

***(In­fan­te­rie­of­fi­zier in der kö­nig­li­chen nie­der­län­di­schen Ar­mee und ist der­zeit Do­zent für Mi­li­tär­stra­te­gie an der nie­der­län­di­schen Verteidigungsakademie)

Die nun fol­gen­den zwei Jah­re bis 1818 wa­ren ge­prägt mit Mu­ße, Rou­ti­ne­ar­bei­ten als Chef des Sta­bes so­wie durch ei­ne kur­ze Prä­senz als Kom­man­dant von Aa­chen, um den Kon­gress der Staats­ober­häup­ter und Staats­män­nern Eu­ro­pas vom 30. Sep­tem­ber bis 15. No­vem­ber 1818 si­cher zu stel­len. Auch die­sen Auf­trag, den der Kö­nig mit Ka­bi­netts­an­ord­nung vom 17. Au­gust 1818 ver­füg­te, er­füll­te Clau­se­witz, der zu­vor am 19. Sep­tem­ber zum Ge­ne­ral­ma­jor avan­cier­te, of­fen­sicht­lich stabs­mäs­sig zur Zu­frie­den­heit sei­nes Mon­ar­chen. Ge­ne­ral Clau­se­witz war nun 38 Jah­re alt. Und »en pas­sant« fand sich Carl seit dem 9. Mai als Di­rek­tor der all­ge­mei­nen Kriegs­schu­le wie­der, wor­über wir hier noch be­rich­ten werden.

Die wei­te­ren Jah­re gin­gen je­doch auch mit der Schritt­wei­sen Iso­lie­rung der Re­for­mer ein­her. Den An­fang se­hen wir mit dem Rück­tritt Gnei­sen­aus vom Kom­man­do in Ko­blenz. Die Be­zeich­nung sei­nes Krei­ses in Ko­blenz als »Wal­len­steins La­ger« durch die »Maul­wür­fe« in Ber­lin hat­ten den zu­künf­ti­gen Feld­mar­schall ge­kränkt, wie wir aus ei­nem Brief Gnei­sen­aus an Har­den­berg vom 6. Fe­bru­ar 1821 er­fah­ren: »〈…〉 Nur we­ni­ge Jah­re sind ver­flos­sen, wo man mich, wäh­rend mei­nes Ge­ne­ral­kom­man­dos am Rhein, für ei­nen Re­vo­lu­ti­ons­mann aus­gab, die Ko­ry­phän des Her­kom­mens aus Haß ge­gen mei­ne Vor­lie­be für die neu­en den Staat wie­der ge­bä­ren­den Ein­rich­tun­gen, die Re­vo­lu­tio­nä­re aus Par­tei­klug­heit. Ich stand al­lein, ver­schmäh­te es, mich zu ver­tei­di­gen und leg­te mei­ne Stel­le nie­der, um zu be­wei­sen, daß mich kei­ne ehr­gei­zi­ge Ab­sicht be­herr­sche. (…)« (VerglGnei­sen­au – Ein Le­ben in Brie­fen« HG Dr. Karl Gri­wank, Ko­eh­ler & Ame­lang / Leip­zig, 1939, S. 368)

Im glei­chen Brief er­in­nert Gnei­sen­au Har­den­berg auch an Clau­se­witz, dem eben­so Ge­heim­bün­de­lei vor­ge­wor­fen wur­de: »〈…) Und ha­ben wir nicht ein Glei­ches an dem Ge­ne­ral Clau­se­witz er­lebt, dem die Di­plo­ma­ten hier den Ra­di­ka­lis­mus auf­ge­halst ha­ben und der nicht ein­mal so­viel Blö­ße zum Ver­dacht ge­ge­ben als ich, in­dem er sich stets von den des Li­be­ra­lis­mus Ver­däch­ti­gen ent­fernt ge­hal­ten, über wel­chen Punkt ich, mei­ner Ge­sin­nung mir be­wußt, acht­lo­ser ge­we­sen bin. 〈…〉« (Vergl. »Gnei­sen­au – Ein Le­ben in Briefen»HG Dr. Karl Gri­wank, Ko­eh­ler & Ame­lang / Leip­zig, 1939, S. 368)

Boy­en konn­te noch ver­an­las­sen, dass Gnei­sen­au nach sei­nem Ab­schieds­ge­such »in Ur­laub auf un­be­stimm­te Zeit«, aber als ak­ti­ver Ge­ne­ral ge­führt wur­de. Je­doch wur­de auch die­ser Stand Wo­chen spä­ter auf­ge­ho­ben. Das Jahr 1818 sah Gnei­sen­au als Gou­ver­neur der Stadt Ber­lin. 1819 wur­de er für den Pos­ten des Prä­ses der Ober-Mi­li­tär-Ex­ami­na­ti­ons-Kom­mis­si­on ver­pflich­tet. Was wohl mehr als ei­ne Art Aus­hän­ge­schild zu wer­ten war, als ein Wunsch, der Kom­mis­si­on In­halt zu ver­lei­hen. Auf den Held von Wav­re und Bel­le-Al­li­an­ce konn­te der Kö­nig of­fen­sicht­lich nicht ver­zich­ten. (Vergl. »Das Le­ben de Feld­mar­schalls Gra­fen Neid­hardt von Gnei­sen­au« von Hans Del­brück, Bln. 1908, S. 327 bis 329)

Im Streit um die Land­wehr ent­ließ Fried­rich Wil­helm III. Boy­en, nach ihm nahm auch Grol­mann sei­nen Ab­schied. Clau­se­witz an der Kriegs­schu­le oh­ne Ein­fluss auf die Leh­re in der Aus­bil­dung jun­ger Of­fi­zie­re. Scharn­horst sei­nen Wun­den er­le­gen und al­le Mit­strei­ter der Mi­li­tär­re­form auf Ne­ben­ge­lei­sen, zu­nächst oh­ne nen­nens­wer­ten Ein­fluss auf die wei­te­ren Ge­schi­cke des Staates.

Wie sehr der Ab­gang Gnei­sen­aus, der bis zu­letzt ge­heim blieb – nur Boy­en war ein­ge­weiht – Clau­se­witz ge­trof­fen ha­ben mag, ent­neh­men wir ei­nem Kla­ge­brief Clausewitz´vom 13. Mai 1816 an Gnei­sen­au: »〈…〉 Wir set­zen uns al­le jetzt wie­der in den Glau­ben und der Hoff­nung fest, daß Eu­er Ex­cel­lenz un­ter uns zu­rück­keh­ren wer­den. – Sie ha­ben von al­len Sei­ten die Kla­gen und den Kum­mer wi­der­tö­nen hö­ren, wel­che Ihr Ab­tre­ten her­vor­ge­bracht hat, und wür­de noch un­gleich mehr Stim­men der Art ge­hört ha­ben, wenn Ih­re Ab­sicht hier im Lan­de nicht ver­bor­gen ge­blie­ben wä­re. 〈…〉« (Vergl. »Das Le­ben de Feld­mar­schalls Gra­fen Neid­hardt von Gnei­sen­au« von Hans Del­brück, Bln. 1908, S. 323)

Wir se­hen Gnei­sen­au und Clau­se­witz ab dem Jahr 1818 in Ber­lin wie­der ver­ei­nigt. Die­ser Bund zwei­er preu­ßi­schen Of­fi­zie­re, in ge­gen­sei­ti­ger Ach­tung und Freund­schaft ge­lebt, wird wei­te­re 13 Jah­re be­stehen, bis bei­de Män­ner ei­ner heim­tü­cki­schen Krank­heit er­lie­gen, die sie im Diens­te des Kö­nigs ereilt.

Ber­lin um 1820 (Quel­le: Ansichtskarten-Lexikon)

Die Ber­li­ner Zeit von 1818 bis 1830 ver­lief für Clau­se­witz in re­la­ti­ver Ru­he, ab­seits vom gro­ßen Welt­ge­sche­hen, wie es schien. Es war die Zeit, die Kriegs­er­leb­nis­se zu re­flek­tie­ren und auch die in sei­ner Zeit ge­gen­wär­ti­gen po­li­ti­schen Be­we­gun­gen zu wer­ten und zu schluss­fol­gern. In die­ser Fra­ge blieb sich Clau­se­witz un­er­schüt­ter­lich treu, trotz al­ler­lei Schwie­rig­kei­ten, die er als Of­fi­zier zu be­wäl­ti­gen hatte.

Die uns zu­gäng­li­chen Quel­len sa­gen über die­se Le­bens­zeit Clau­se­witz re­la­tiv we­nig aus, da Kor­re­spon­den­zen auf Grund der phy­si­schen Nä­he des Ehe­paa­res Clau­se­witz mit­ein­an­der, und auch zu Gnei­sen­au, na­tür­li­cher­wei­se über­flüs­sig wa­ren. Bis auf ei­ni­ge Ba­de­rei­sen, auf die Rit­ter Wil­helm von Schramm in sei­nem Buch »Clau­se­witz – Le­ben und Werk«, S. 512 ver­wies, wa­ren vor al­lem die re­gel­mä­ßi­gen Auf­ent­hal­te auf Gut Erd­mans­dorf bei Gnei­sen­au, be­deu­tungs­voll in sei­ner re­la­tiv ru­hi­gen Ber­li­ner Ge­schäfts­tä­tig­keit. Wo­bei die Ber­li­ner Kon­tak­te durch­aus nicht ein­tö­nig wa­ren, wie man an­neh­men könn­te. Gnei­sen­au sen­det an Ama­lie von Hel­vig ( deut­sche Schrift­stel­le­rin , 1776 bis 1831)  un­ter dem 3. Ja­nu­ar 1818 fol­gen­de Ein­la­dung: »〈…〉 Gnä­di­ge Frau (…) Herr und Frau von Clau­se­witz wer­den mor­gen abend hier zu­brin­gen. Wir wol­len aber in ganz klei­ner Ge­sell­schaft kurz un­ter uns sein; ich er­lau­be mir dem­nach die An­fra­ge, ob Sie uns die Freu­de ma­chen wol­len eben­falls zu er­schei­nen; dann wür­de ich auch Herrn und Frau Ar­nim zu uns bit­ten, so­wie Ma­dame Lo­rent aus Schwe­den, viel­leicht auch Rauch und Tieck, wenn Sie es ge­neh­mi­gen. Daß auch an den Herrn Ge­ne­ral von Hel­vig die Ein­la­dung ge­rich­tet ist, ver­seht sich. 〈…〉« (Vergl.»Gneisenau – Ein Le­ben in Brie­fen« HG Dr. Karl Gri­wank, Ko­eh­ler & Ame­lang / Leip­zig, 1939, S. 355 bis 356).

Ein il­lus­trer Kreis, wenn wir ihn nä­her be­trach­ten und durch­aus we­der zah­len­mä­ßig noch von der Pro­mi­nenz her klein zu wer­ten. Wie müs­sen wir uns die Ge­sprä­che vor­stel­len, die die Ehe­leu­te mit den Gäs­ten Gnei­sen­aus ge­führt ha­ben? Da war die Schrift­stel­le­rin Ama­lie von Hel­vig (1776 bis 1831), die ei­nen der be­deu­tends­ten Ber­li­ner Sa­lons führ­te, die Goe­the und Schil­ler kann­te und von Alex­an­der von Hum­boldt ver­ehrt wur­de. Da­ne­ben die Frau Lo­rent, Gat­tin des Kauf­manns Ro­bert Lo­rent***, Ver­trau­ter Gnei­sen­aus, der für ihn bri­san­te Brie­fe für Har­den­berg be­för­der­te. Rauch, der das Grab­mal für Kö­ni­gin Lui­se und Scharn­horst so­wie ein Denk­mal für Blü­cher schuf. Tieck, der ro­man­ti­sche Dich­ter. Achim von Ar­nim, be­kannt von der Tisch­ge­sell­schaft. Und zu­letzt Ge­ne­ral der Ar­til­le­rie von Hel­vig, aus­ge­wie­se­ner Ken­ner der schwe­di­schen und preu­ßi­schen Artillerie.

*** (Vergl. Brief Gnei­sen­aus an Har­den­berg, Lon­don, den 29. Au­gust 1812 – in »Gnei­sen­au – Ein Le­ben in Brie­fen« HG Dr. Karl Gri­wank, Ko­eh­ler & Ame­lang / Leip­zig, 1939, S. 191). Und »Das Le­ben des Feld­mar­schalls Gra­fen Neid­hardt von Gnei­sen­au«, HG Pertz/Delbrück, Ver­lag Rei­mer, 1865, S. 370)

Wir stel­len uns hier hoch in­tel­lek­tu­el­le und kurz­wei­li­ge Ge­sprä­che vor, die wo­mög­lich auch durch po­li­ti­sche In­hal­te der Zeit ge­prägt wa­ren. Zu die­ser Zu­sam­men­kunft, da­vor und da­nach, könn­ten al­le da­mals wich­ti­ge Fra­gen zur De­bat­te ge­stan­den ha­ben. Vor al­lem si­cher­lich die un­mit­tel­bar mit und nach dem Wie­ner Kon­gress ans Licht ge­tre­te­nen Er­schei­nun­gen. Clau­se­witz wur­de Zeu­ge ei­ner Hun­gers­not in Fol­ge ei­ner Miss­ern­te in den Jah­ren 1816/17, ver­ur­sacht durch ein »Jahr oh­ne Som­mer« in den süd­deut­schen Staaten.

Das »Wart­burg­fest« der stu­den­ti­schen Bur­schen­schaf­ten sorgt 1817 für er­heb­li­che Auf­re­gun­gen. Durch den Ge­biets­zu­wachs nach Wien of­fen­bar­ten sich so­zia­le Pro­ble­me, die zu be­ach­ten wa­ren. Die nach wie vor un­ge­klär­te Fra­ge nach dem Sta­tus der jü­di­schen Bür­ger spie­gelt sich 1819 in den »Hepp-Hepp-Kra­wal­len« in vie­len deut­sche Städ­ten wi­der, die zu ge­walt­sa­men Aus­schrei­tun­gen ge­gen Ju­den führ­ten. Die Er­mor­dung des deut­schen Dra­ma­ti­kers und Schrift­stel­lers Au­gust Fried­rich Fer­di­nand von Kot­ze­bue durch den Bur­schen­schaft­ler Karl Lud­wig Sand, die letzt­end­lich die »Karls­ba­der Be­schlüs­se« und die »Dem­ago­gen­ver­fol­gung« zur Fol­ge hat­ten, stell­ten 1819 ei­nen trau­ri­gen Hö­he­punkt dar.

Der Stu­dent Karl Lud­wig Sand er­sticht den Dra­ma­ti­ker Au­gust von Kot­ze­bue, Quel­le: pic­tu­re al­li­an­ce / Ma­ry Evans Pic­tu­re Library

Ei­ni­gen die­ser Fra­gen wid­me­te sich Clau­se­witz in sei­ner Schrift »Um­trie­be« von 1819 bis 1823. An­de­re wie­der­um fin­den kaum oder nur ge­rin­ge Er­wäh­nung in sei­nem Schrift­tum. Dr. An­dre­as Her­berg-Ro­the be­merk­te zu Clausewitz´Schrift:
»〈…〉 In den „Um­trie­ben“, ei­nem sei­ner po­li­tischs­ten Auf­sät­ze (von 1819) über­haupt, ver­deut­licht Clau­se­witz den grund­le­gen­den Zu­sam­men­hang von Re­vo­lu­ti­on, Bür­ger­krieg und der so­zia­len Ver­fasst­heit ei­ner Ge­mein­schaft. 〈…〉« (Vergl. »Staats­krieg und nicht-staat­li­che Krie­ge in Clau­se­witz Vom Krie­ge«, An­dre­as Her­berg-Ro­the, In: Jä­ger, Thomas/Kümmel, Gerhard/Lerch. Ma­ri­ka (Hrsg.), Si­cher­heit und Freiheit.Außenpolitische, in­nen­po­li­ti­sche und ideen­ge­schicht­li­che Per­spek­ti­ven. Fest­schrift für Wil­fried von Bre­dow zum 60. Ge­burts­tag. Ba­den-Ba­den 2004, pp. 23 bis 38.)

Dem Adel und des­sen Rol­le in der da­ma­li­gen Ge­sell­schaft wid­met sich Clau­se­witz sehr aus­führ­lich und stellt deut­lich dar, war­um die­ser Stand ins­be­son­de­re nach der fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on auch in Preu­ßen an Be­deu­tung ver­lo­ren hat­te. Wir er­in­nern hier an die Cau­sa von der Mar­witz, die wir wei­ter oben dar­ge­stellt hat­ten, die da­zu den Ver­gleich zu­lässt. Die Ma­jo­ri­tät in sei­ner Schrift se­hen wir je­doch in der Ein­schät­zung Clau­se­witz´, die Re­sul­ta­te der Be­frei­ungs­krie­ge be­tref­fend: »〈…〉 der Kampf reich­te bis ins Jahr 1815, schloß aber da­mit, daß Frank­reich in sei­nen alt­wen Gren­zen zu­rück­ge­wie­sen, Deutsch­land in den sei­nen wie­der­her­ge­stellt und der Un­ter­drü­cker auf ei­ner Fel­sen­in­sel fest­ge­schmie­det war. .… Auf die­sem Punk­te fan­den die so­ge­nann­ten Um­trie­be das deut­sche Volk, mit de­ren Ent­ste­hung und Na­tur wir uns be­schäf­ti­gen wol­len. 〈…〉« (Vergl. Carl von Clau­se­witz »Po­li­ti­sche Schrif­ten und Brie­fe«, Dr. Hans Roth­fels, Drei Mas­ken Ver­lag, 1922, »Um­trie­be (1819 bis 1823), S. 169)

Nach­fol­gend be­han­delt Clau­se­witz sehr aus­führ­lich die so­zia­le Ver­fasst­heit (sie­he Her­berg-Ro­the) Preu­ßens und der deut­schen Län­der, je­doch un­se­rer An­sicht nach nicht voll­stän­dig. Ob letz­te­res be­ab­sich­tigt oder nicht, wis­sen wir nicht. Mög­li­cher­wei­se kann­te Clau­se­witz schon Goe­h­tens »Wil­helm Meis­ters Wan­der­jah­re«, er­schie­nen 1821, und er »se­lek­tier­te« die auf ihn ein­drin­gen­den In­for­ma­tio­nen? »〈…〉 Das Wis­sen för­dert nicht mehr bei dem schnel­len Um­trie­be der Welt. Bis man von al­lem No­tiz ge­nom­men hat, ver­liert man sich selbst. 〈…〉« (Vergl. Goe­the »Wil­helm Meis­ters Wan­der­jah­re« III, aus Ma­ka­rins Archiv)

Was wür­de Clau­se­witz un­ter »Um­trie­be« ver­stan­den ha­ben? In Brockhau´s En­cy­klo­pä­die, Aus­ga­be­jahr 1827, le­sen wir:  »All­ge­mei­ne deut­sche Re­al-En­cy­klo­pä­die für ge­bil­de­te Stän­de«, Band 11: »〈…〉 Um­trie­be (Dem­ago­gi­sche) in Deutsch­land. Die­ser Aus­bruch be­zeich­net ein bis­her in der deut­schen Na­ti­on un­er­hör­tes, vor kur­zem aber ei­nem Thei­le der­sel­ben Schuld ge­ge­be­nes , straf­ba­res Be­stre­ben, durch ge­hei­me Ver­bin­dun­gen den Wunsch nach dem Um­stur­ze der be­stehen­den le­gi­ti­men Ver­fas­sung al­ge­mein zu ver­brei­ten und des­sen Aus­füh­rung vor­zu­be­rei­ten. 〈…〉«(Vergl. All­ge­mei­ne deut­sche Re­al-En­cy­klo­pä­die für die ge­bil­de­ten Stän­de. …, Band 11, Leip­zig-Brock­haus, 1827, S.472 pp)

Der Text in der En­cy­klo­pä­die von 1827 be­han­delt das The­ma »Um­trie­be« über 14 Sei­ten, in al­ler Aus­führ­lich­keit, die der clau­se­witz­schen Be­trach­tun­gen ähn­lich und teil­wei­se de­tail­lier­ter er­scheint. Letz­te­res wohl auf das Er­schei­nungs­jahr zu­rück zu füh­ren, denn zum Zeit­punkt der Nie­der­le­gung Clausewitz´»Umtriebe«, wa­ren die Zu­sam­men­hän­ge und Ab­läu­fe noch nicht um­fas­send auf­ge­ar­bei­tet. Die »Cen­tral-Un­ter­su­chungs­kom­mis­si­on« in Mainz hat­te ei­nen aus­führ­li­chen Be­richt zu­sam­men­ge­stellt und die­sen wohl erst im April 1823, mehr­fach über­ar­bei­tet, der Bun­des­versmm­lung über­ge­ben. Gleich­wohl müs­sen wir sa­gen, daß wir von Clau­se­witz wohl mehr ei­ne phi­lo­so­phi­sche Wer­tung die­ser Er­schei­nun­gen, als ei­ne en­cy­klo­pä­di­sche er­war­ten konnten.

In sei­ner Schrift »Um­trie­be« wid­met sich Clau­se­witz sehr aus­führ­lich der aka­de­mi­schen Ju­gend, die in den Be­frei­ungs­krie­gen ei­ne füh­ren­de Rol­le, im pa­trio­ti­schen Sin­ne spiel­te. Im An­ge­sicht des Sie­ges über Na­po­le­on wuchs vor al­lem in der Ju­gend der Wunsch nach ei­ner Ein­heit der deut­schen Län­der. Was Clau­se­witz üb­ri­gens zum Zeit­punkt von 1815 als »voll­kom­men lä­cher­lich« an­sah. (Vergl. Carl von Clau­se­witz »Po­li­ti­sche Schrif­ten und Brie­fe«, Dr. Hans Roth­fels, Drei Mas­ken Ver­lag, 1922, »Um­trie­be (1819 bis 1823), S. 170) Da­bei hin­ter­lässt der ge­stan­de­ne preu­ßi­sche Of­fi­zier hier den Ein­druck, die In­ten­tio­nen und da­mit auch die Hand­lun­gen die­ser Ju­gend, die nach Ver­fasst­heit des gan­zen Deutsch­lands streb­te, nicht zu bil­li­gen. Clau­se­witz be­trach­te­te das als »Zie­le ei­ner kon­fu­sen Be­geis­te­rung«(Vergl. Carl von Clau­se­witz »Po­li­ti­sche Schrif­ten und Brie­fe«, Dr. Hans Roth­fels, Drei Mas­ken Ver­lag, 1922, »Um­trie­be (1819 bis 1823), S. 172).

Oh­ne dass es in der Schrift ex­pli­zit dar­ge­legt wur­de, kön­nen wir an­neh­men, dass auch Stein, Arndt und Jahn und an­de­re »Phi­lo­so­phen« in ih­rem Wir­ken ge­meint wa­ren. So hat­ten Stein und Arndt ei­ne ge­mein­sa­me Auf­fas­sung zu den deut­schen Fürs­ten all­ge­mein, die nun nach Wien 1815, wie Stein mein­te »〈…〉 36 klei­ne Des­po­ten, wel­che die Na­ti­on ver­un­edeln und den Ein­fluß Frank­reichs ver­ewi­gen im Zu­ge der Neu­ord­nung Deutsch­lands so weit wie mög­lich aus­zu­schal­ten〈…〉« sei­en. (Vergl.»Arndt und Stein«,S.Jacob, E.-M.-Arndtgesellschaft, 2.Jahrgang 1993, Son­derbd. 1, S.56) Zu­mal Stein auch am Preu­ßen­kö­nig schon frü­her (1807) kein tro­cke­nes Haar ließ: »〈…〉 nichts ver­moch­te, ihn zu ed­len gro­ßen Ent­schlüs­sen zu brin­gen, nicht die Wich­tig­keit des Zwecks, nicht die Leich­tig­keit, ihn zu er­rei­chen und die Ru­he und Un­ab­hän­gig­keit sei­nes Staa­tes zu si­chern, er blieb taub ge­gen al­les die­ses und ver­sank in sein ge­wohn­tes Nichts. 〈…〉«(Vergl. Stein an Re­den, 3.7.1807, Bot­zen­hart III, S. 232) Letz­te­res wür­de Clau­se­witz wohl un­ter Um­stän­den ge­teilt ha­ben, je­doch, trotz al­len Grolls des Kö­nigs ihm ge­gen­über, aber wohl öf­fent­lich nicht ver­tre­ten ha­ben. Viel­mehr be­klagt Clau­se­witz in sei­ner Schrift das Ir­re­lei­ten der Ju­gend und die Fol­ge des­sen: »〈…〉 Zwei Ex­tra­va­gan­zen schlu­gen zu­erst Lärm in Deutsch­land und Eu­ro­pa; das Stu­den­ten­fest auf der Wart­burg 1817 und Kotzebue´s Er­mor­dung 1819. In bei­den sprach sich das näm­li­che Ge­fühl aus – ein lei­den­schaft­li­cher Haß ge­gen die­je­ni­gen, die an­ders dach­ten, die Übel­den­ken­den der Pu­ri­ta­ner zu Cromm­wells Zei­ten, jetzt die Phi­lis­trö­sen ge­nannt. Die­se Herrsch­sucht und Ge­walt­sam­keit kam hier et­was zu früh; … die deut­sche Ju­gend ver­stand sich auf die­se Din­ge zu we­nig und fiel mit der Tür ins Haus. Nun fin­gen die Re­gie­run­gen an, ge­gen die­se Ju­gend ei­ne feind­se­li­ge Stel­lung ein­zu­neh­men und es ent­stan­den in­qui­si­to­ri­sche Un­ter­su­chun­gen, bei wel­chen sie auf man­ches Ge­we­be von Bur­schen­schaf­ten und ge­hei­me Ver­bin­dun­gen stie­ßen. 〈…〉« (Vergl. Carl von Clau­se­witz »Po­li­ti­sche Schrif­ten und Brie­fe«, Dr. Hans Roth­fels, Drei Mas­ken Ver­lag, 1922, »Um­trie­be (1819 bis 1823), S. 176 bis 178) 

Gör­res Schrift »Deutsch­land und die Re­vo­lu­ti­on«, er­schie­nen 1819, er­hält von Clau­se­witz eben­falls kein gu­tes Zeug­nis. »〈…〉 Das Buch soll ei­ne gro­ße An­kla­ge­ak­te der deut­schen Re­gie­run­gen sein, es schwebt aber ewig in all­ge­mei­nen De­kla­ma­tio­nen, Bil­dern, Gleich­nis­sen und Il­lu­sio­nen, Zu­sam­men­stel­lun­gen und was der Red­ne­rei mehr ist. Nur zwei Ge­gen­stän­de sind be­stimmt ge­nannt: der ers­te ist die Nicht­ver­ei­ni­gung Deutsch­lands zu ei­nem neu­en Kai­ser­rei­che, der an­de­re die ste­hen­den Heere.Beide er­ge­ben von dem ge­sun­den Men­schen­ver­stan­de des Ver­fas­sers kei­nen son­der­li­chen Be­griff. 〈…〉« (Vergl. Carl von Clau­se­witz »Po­li­ti­sche Schrif­ten und Brie­fe«, Dr. Hans Roth­fels, Drei Mas­ken Ver­lag, 1922, »Um­trie­be (1819 bis 1823), S. 179) 

Letzt­end­lich führ­ten al­le die­se Um­trie­be, ge­tra­gen von der Ju­gend in Preu­ßen und in den deut­schen Län­dern, so Clau­se­witz, zum »Karls­ba­der Kon­greß« im Jahr 1818. »〈…〉 Auf dem Karls­ba­der Kon­greß hat­te ei­ne Be­ra­tung der Re­gie­run­gen dar­über statt­ge­fun­den, und es war be­schlos­sen wor­den, daß man die­sem We­sen auf je­de mög­li­che Wei­se steu­ern woll­te. 〈…〉« (Vergl. Carl von Clau­se­witz »Po­li­ti­sche Schrif­ten und Brie­fe«, Dr. Hans Roth­fels, Drei Mas­ken Ver­lag, 1922, »Um­trie­be (1819 bis 1823), S. 183) In die Ge­schich­te ein­ge­gan­gen sind die­se Be­schlüs­se als »Dem­ago­gen­ver­fol­gung«, der ne­ben vie­len an­de­ren auch Arndt und Jahn an­heim fie­len. Ei­ner da­von war auch der Mag­de­bur­ger Karl Fried­rich Frie­sen, (1784 bis 1814) , An­hän­ger der Turn­be­we­gung Jahns, Kampf­ge­fähr­te Schills und Adolf Frei­herr von Lüt­zows so­wie Theo­dor Kör­ners, 1814 in Frank­reich ge­fal­len. Auf Grund der nach­wir­ken­den po­li­ti­schen Ver­fol­gun­gen konn­ten die sterb­li­chen Über­res­te Frie­sens erst un­ter dem Nach­fol­ger Kö­nig Fr. W. III. 1843 in Ber­lin bei­gesetzt werden.

Fried­rich Frie­sen (Quel­le – Wi­ki­pe­dia) in Madeburg

Auf zwei Er­eig­nis­se, von de­nen Clau­se­witz je­doch nur ei­nes, das Wart­burg­fest 1817, in den »Umtrieben»erwähnte, und den sgg. »Hepp-Hepp« Un­ru­hen und de­ren ju­den­feind­li­chen Hin­ter­grün­den, wol­len wir an die­ser Stel­le noch den Blick rich­ten. Eben­so wol­len wir noch ein­mal den Blick auf die Fra­gen des mi­li­tä­ri­schen Ei­des rich­ten, den jü­di­sche Re­kru­ten leis­ten muss­ten. Nach den Be­frei­ungs­krie­gen nah­men die ver­schie­de­nen Ei­des­for­meln auch für die Ju­den Preu­ßens ei­ne ge­son­der­te Ge­stalt an.

Fort­set­zung Teil XV

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Die „Unsichtbaren“ – hybride Kriege im 21. Jahrhundert … und Clausewitz? Teil I

Die „Un­sicht­ba­ren“ – hy­bri­de Krie­ge im 21. Jahr­hun­dert … und Clausewitz?

Dipl.-Mil. Oberst­leut­nant a. D. NVA Klaus-Die­ter Krug

In den ers­ten bei­den De­ka­den des 21. Jahr­hun­derts wer­den wir Zeu­gen ei­ner deut­li­chen In­ten­si­vie­rung ei­nes Phä­no­mens diffu­ser, dunk­ler und schein­bar un­be­kann­ter Me­tho­den der Kriegsführung.

Das Schlag­wort da­zu lau­tet „Hy­bri­der Krieg“. „Hy­brid“, abgelei­tet aus dem la­tei­ni­schen Wort „hy­bri­da“, ge­stat­tet hier den Rück­schluss auf „Bas­tard“ bzw. „Misch­ling“. Das heißt, ange­wendet auf Krieg und Kriegs­füh­rung er­ken­nen wir die mög­li­che Ver­mi­schung ver­schie­de­ner Ar­ten, Mit­tel und Me­tho­den der uns bis­her be­kann­ten Kriegs­for­men. Wei­ter­le­sen

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Die „Unsichtbaren“ – hybride Kriege im 21. Jahrhundert … und Clausewitz? Teil II

Fort­set­zung

Der Be­griff »Ope­ra­ti­on« oder »Ope­ra­ti­ons­plan« taucht im Schrift­tum Clau­se­witz´ be­reits im Jah­re 1804 in sei­ner Schrift »Stra­te­gie»2 auf. Sehr früh er­kennt Clau­se­witz die be­deu­ten­de Rol­le ei­nes »Ope­ra­ti­ons­pla­nes« und da­mit ope­ra­ti­ven Han­delns. Un­ter 11. Ope­ra­ti­ons­plan, Punkt 3., führt Clau­se­witz dort aus, in­dem er sich mit Phul­ls Ge­dan­ken zur Operationspla­nung aus­ein­an­der setzte:

»Ich kann nur die Ope­ra­ti­on für wahr­haf­tig ge­nia­lisch er­ken­nen, die nach dem Her­zen der feind­li­chen Mon­ar­chie ge­rich­tet ist, an­statt al­so an den Gren­zen zu na­gen, muss man da, wo die­se glück­lich ge­öff­net sind, so weit als mög­lich vor­drin­gen und des­wegen al­le Kräf­te da­hin fort­wäh­rend kon­zen­trie­ren.« 2 Wei­ter­le­sen

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Die „Unsichtbaren“ – hybride Kriege im 21. Jahrhundert … und Clausewitz? Teil III

Fort­set­zung

Be­mer­kens­wer­terwei­se lief diese Ope­ra­ti­on oh­ne Schuss­wech­sel und Ver­lus­te bei­der Sei­ten ab. Je­doch der Tod ei­nes ukrai­nischen Fähn­richs am 18. März 2014 wur­de durch ei­nen »un­bekannten« Scharf­schüt­zen verursacht.

Wir er­ken­nen hier die Leh­ren Sun­zis aus „Die Kunst des Krie­ges“, ge­schrie­ben vor 2.500 Jah­ren, wo­nach die Kunst des Sie­ges dar­in be­steht, den Wi­der­stand des Fein­des zu bre­chen, oh­ne den be­waff­ne­ten Kampf zu führen.

Die Rus­sen hat­ten 2014 ein kla­res geo­stra­te­gi­sches Ziel, ver­fügten über ei­nen sta­bi­len Ope­ra­ti­ons­plan und wa­ren in der La­ge, durch ei­ne Viel­zahl tak­ti­scher Hand­lun­gen den ge­fass­ten Plan zu ver­wirk­li­chen. Da­mit setz­ten sie die Theo­rie Clause­witz‘, wo­nach mi­li­tä­ri­sche Auf­ga­ben im In­ter­es­se der Po­li­tik ge­gen ei­nen Geg­ner auch un­ter kom­pli­zier­ten Be­din­gun­gen durch­zu­set­zen sind, ge­rad­li­nig um. Wei­ter­le­sen

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Die „Unsichtbaren“ – hybride Kriege im 21. Jahrhundert … und Clausewitz? Teil IV

Fort­set­zung

Clau­se­witz ex­em­pli­fi­ziert in sei­ner Schrift »Die wich­ti­gen Grund­sät­ze des Kriegführens«:

…un­ter III. Stra­te­gie, IV. Über die Be­fol­gung der ge­ge­be­nen Grund­sät­ze im Krie­ge»11

ei­ne Rei­he von Wirkungsfaktoren.

»Die Ur­sa­chen die­ser Frik­tio­nen er­schöp­fend auf­zu­zäh­len, ist viel­leicht nicht mög­lich, aber die haupt­säch­lichs­ten sind folgen­de. . …»12

Der Au­tor ge­stat­tet sich hier an die­ser Stel­le, die von Clause­witz ge­nann­ten acht we­sent­li­chen Ur­sa­chen mit ei­ge­nen Wor­ten ver­kürzt dar­zu­stel­len. Wei­ter­le­sen

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Die „Unsichtbaren“ – hybride Kriege im 21. Jahrhundert … und Clausewitz? Teil V

Fort­set­zung

Zwei­fels­oh­ne wir­ken sich die rea­len Ver­lus­te auf die Mo­ral der bei­den Sei­ten aus, was dem Le­ser ver­ständ­lich sein wird. Letzt­end­lich kom­men wir in der Be­trach­tung des The­mas zum Kern der Clau­se­witz­chen Kriegs­theo­rie, die na­tür­lich auch bei der Ana­ly­se des We­sens des »hy­bri­den Krie­ges« hilf­reich sein wird:

»Der Krieg ist al­so nicht nur ein wah­res Cha­mä­le­on, weil er in je­dem kon­kre­ten Fal­le sei­ne Na­tur et­was än­dert, son­dern er ist auch sei­nen Ge­samt­erschei­nun­gen nach in Be­zie­hung auf die in ihm herr­schen­den Ten­den­zen ei­ne wun­der­li­che Dreifaltig­keit, zu­sam­men­ge­setzt aus der ur­sprüng­li­chen Ge­walt­sam­keit sei­nes Ele­men­tes, dem Haß und der Feind­schaft, die wie ein blin­der Na­tur­trieb an­zu­se­hen sind, aus dem Spiel der Wahr­scheinlichkeiten und des Zu­falls, die ihn zu ei­ner frei­en See­lentätigkeit ma­chen, und aus der un­ter­ge­ord­ne­ten Na­tur ei­nes po­li­ti­schen Werk­zeu­ges, wo­durch er dem blo­ßen Ver­stan­de an­heim fällt.»15 Wei­ter­le­sen

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Die „Unsichtbaren“ – hybride Kriege im 21. Jahrhundert … und Clausewitz? Teil VI

Fort­set­zung

Wie ver­hee­rend sich im asymme­tri­schen Krieg ei­ne un­kla­re Nach­rich­ten­la­ge aus­wir­ken kann, sa­hen wir vor 10 Jah­ren, am 04. Sep­tem­ber 2009, na­he dem afghani­schen Kun­dus. Der Trup­pen­kom­man­deur des da­ma­li­gen BW-Kon­tin­gen­tes ließ ei­nen Luft­schlag auf zwei Tank­fahr­zeu­ge füh­ren, die zu­vor durch die Ta­li­ban re­qui­riert wor­den wa­ren. Dort im Füh­rungs­zen­trum war man der An­nah­me, dass die im Flusssand ste­cken­den Fahr­zeu­ge ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­dro­hung dar­stel­len würden. 

Es gab Dut­zen­de To­te, vor­ran­gig Zi­vi­lis­ten, dar­un­ter Kinder.

Aus Sicht des Au­tors ließ der ver­ant­wort­li­che Truppenkomman­deur ei­nen schwe­ren hand­werk­li­chen Feh­ler zu. Un­schar­fe Er­gebnisse der Luft­auf­klä­rung und zwei­fel­haf­te In­for­ma­tio­nen ei­nes Afghanen hät­ten nach al­len Re­geln der (ope­ra­ti­ven und tak­ti­schen) Kunst durch Nah­auf­klä­rung am Bo­den ve­ri­fi­ziert wer­den müs­sen. Wei­ter­le­sen

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Die „Unsichtbaren“ – hybride Kriege im 21. Jahrhundert … und Clausewitz? Teil VII

Fort­set­zung

Wie ver­hee­rend sich im asymme­tri­schen Krieg ei­ne un­kla­re Nach­rich­ten­la­ge aus­wir­ken kann, sa­hen wir vor 10 Jah­ren, am 04. Sep­tem­ber 2009, na­he dem afghani­schen Kun­dus. Der Trup­pen­kom­man­deur des da­ma­li­gen BW-Kon­tin­gen­tes ließ ei­nen Luft­schlag auf zwei Tank­fahr­zeu­ge füh­ren, die zu­vor durch die Ta­li­ban re­qui­riert wor­den wa­ren. Dort im Füh­rungs­zen­trum war man der An­nah­me, dass die im Flusssand ste­cken­den Fahr­zeu­ge ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­dro­hung dar­stel­len würden. 

Es gab Dut­zen­de To­te, vor­ran­gig Zi­vi­lis­ten, dar­un­ter Kin­der. Wei­ter­le­sen

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Die „Unsichtbaren“ – hybride Kriege im 21. Jahrhundert … und Clausewitz? Teil VIII

Fort­set­zung

Fa­zit

Bei der Be­trach­tung des Phä­no­mens »hy­bri­der Krieg« kom­men wir na­tür­lich auf Clau­se­witz zu­rück und neh­men im­mer wie­der zur Kenntnis:

»So se­hen wir al­so, daß der Krieg nicht bloß ein po­li­ti­scher Akt, son­dern ein wah­res po­li­ti­sches In­stru­ment ist, ei­ne Fort­setzung des po­li­ti­schen Ver­kehrs, ei­ne Durch­füh­rung dessel­ben mit an­de­ren Mit­teln.« 21 Wei­ter­le­sen

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